Europäischer Köhlerverein
Europäischer Köhlerverband e.V. gegründet 1997 in Hasselfelde, Sitz in Eibenstock OT Sosa, Präsident: Karl Josef Tielke, Mail: info@europkoehler.com
  
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Holzkohlemeiler

Fachliteratur zur Köhlerei

Eine kleine Geschichte der Fachliteratur zur Meilerköhlerei von den Anfängen bis in's 19. Jahrhundert  

Ausgewählt und kommentiert von Karl Josef Tielke

Wer sich in der Fachliteratur über grundlegende und praktische Themen der Köhlerei informieren will, steht vor einer unübersehbaren Fülle von Titeln, die sich auf alle gängigen Gattungen (von Handbüchern über Monographien, Themenhefte und einzelne Aufsätze bis zu einzelnen Beiträgen in Enzyklopädien usw.) erstrecken und häufig in Themenzusammenhänge der Wald- und Forstwirtschaft, des Bergbaus oder der Metallverarbeitung integriert sind. 

Bei den gängigen Suchmaschinen im Internet dominieren häufig fachlich unqualifizierte oder schlicht falsche Informationen. Auch der Europäische Köhlerverband als Fachverband sieht sich wegen der riesigen Menge von Veröffentlichungen nicht in der Lage, einen vollständigen Überblick der Fachliteratur vorzustellen. Auf dieser Seite wollen wir die wichtigsten Veröffentlichungen von den ersten Publikationen bis in's 19. Jahrhundert vorstellen, so etwas wie einen Kanon der grossen Klassiker der Fachliteratur zur Köhlerei. Zwar mögen die Erscheinungsdaten der Bücher sehr lange zurück liegen, dennoch sind darin die zentralen Grundlagen der Köhlerei fachlich seriös, umfassend und ausgesprochen präzise dargestellt. Das gilt für alle traditionellen Meilertypen: Grubenmeiler, stehende Meiler, liegende Meiler. Auch für die heutige Meilerköhlerei sind die Beschreibungen völlig zutreffend und absolut relevant. Die Titel sind teilweise im antiquarischen Buchhandel (zu entsprechenden Preisen!) erhältlich, zum Teil auch als gescannte Neudrucke von entsprechenden Verlagen (zu kleineren Preisen!). Inzwischen sind etliche Ausgaben von grossen Bibliotheken digitalisiert und im Internet frei zugänglich.

Nicht berücksichtigt sind spätere Veröffentlichungen zur industriellen Holzkohleproduktion in Stahlglocken, Öfen unterschiedlichster Bauart, Holzkohlefabriken usw.. Auch die grosse Menge von Beiträgen in einzelnen Fachzeitschriften, sowie Schriften mit überwiegend oder ausschließlich regionalen Aspekten der Köhlerei sind nicht aufgeführt. 

Die ältesten Beschreibungen der Köhlerei

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse, die die Köhlerei in Meilern technisch darstellen, stammen aus der griechisch-römischen Antike. 

Als erstes ist die 'Naturgeschichte der Gewächse' des griechischenen Philosophen und          Naturforschers Theophrastos von Eresos, Schüler von Aristoteles, (um 371 - 287 vor Christus) zu nennen, der u.a. die Bauweise der stehenden Erdmeiler beschreibt.

Auch der römische Gelehrte C.Plinius Secundus (23/24 - 79 nach Christus) hat mit seiner 'Naturalis historiae' ein frühes enzyklopädisches Werk der Naturgeschichte verfasst. Darin sammelt er das naturkundliche Wissen seiner Zeit und verarbeitet auch das naturwissenschaftliche Wissen älterer griechischer Autoren, wie z,B. Theophrastos.

Unter dem Stichwort 'Kohle' sind die wichtigsten Beschreibungen zur Köhlerei aus den Naturgeschichten von Theophrastos und Plinius in der Realenzyklopädie der classischen Altertumswissenschaft (Pauly-Wissowa-Kroll 1890 ff) vorgestellt und kommentiert.

Eine Lücke von mehr als 1000 Jahren

Aus der Zeit des Mittelalters liegen keine frei zugänglichen Veröffentlichungen zur Köhlerei vor. Das mag vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass bis zur Erfindung des Buchdruckes um die Mitte des 15. Jahrhunderts alle Bücher handgeschrieben (Manuskripte) und auch von Hand kopiert werden. Diese sind daher sehr kostbar und werden weitestgehend in den Schreibstuben der Klöster erstellt. Eine flächenmäßig weitere Verbreitung dieser Handschriften ist zur damaligen Zeit noch nicht möglich.

Eine Fülle von Publikationen nach 1450

Erst mit der Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern (Gutenberg um 1450 nach Christus) werden höhere Auflagen und eine weitere Verbreitung gedruckter Schriften möglich. In der Zeit der Renaissance erwacht u.a. ein neues Interesse an Kultur und Technik der Antike. Das Zeitalter der Entdeckungen eröffnet weitere und neue Wissenshorizonte.

So gibt es schon bald Veröffentlichungen zur Köhlerei (oft auch Kohlenbrennen genannt) anfangs eher in Fachbüchern zur Metallurgie (Biringuccio, 1540), zum Bergbau (Agricola, 1556) und zum Forstwesen (Carlowitz, 1713), primär also über die Verwendung von Holzkohle in diesen Zusammenhängen.

Mit Beginn der Aufklärung ab etwa 1700 kommt die Zeit der grossen Enzyklopädien, in denen das gesamte bekannte Wissen der Zeit zu sammeln und zu beschreiben versucht wird (Weigel 1698, Florin 1702, Diderot ab 1751, Duhamel du Monceau 1761, von Justi 1762, Halle ab 1764, Krünitz ab 1773). Mit ausgesprochen präzisen Beschreibungen wird in diesen Sammlungen auch die 'Kunst des Kohlenbrennens' in Wort und Bild dargestellt. 

Die zentrale Bedeutung der Köhlerei insbesondere für die Metallverarbeitung wird immer wieder ausdrücklich hervorgehoben. 

So Biringuccio: „Ohne Kohlen könnten die Techniker ihre Werke kaum zustande bringen, denn sie sind die Speise, die das Feuer nährt. mag man die Metalle schmelzen oder schmieden, mag man die Stoffe veraschen oder trocknen.“

ähnlich Weigel:  'Wo würde der Welt grössester Reichthum / Gold und Silber bleiben / wo das Kupffer / Zien / Eisen / Bley und Quecksilber (…) hergenommen / von dem Kießigsten Quartz und Berg-Steinen abgesondert / und zu allgemeinem Nutzen gereiniget werden / wo nicht die Glut der angefeuerten Kohlen hierzu das beste thäte / und das / was durch der Flammen Hitze verbrennet und zernichtet würde / entdeckte und belebete.“

und auch Carlowitz: „Als die Kohlen beym Schmeltzen / zubereiten und zurichten der Metallen und sonsten vor ein nützliches / ja unentbehrliches Werck / solches ist jederman sonderlich bey Berg-Wercken / item Schmieden / Schlößern / Gold- und Silber-Arbeitern und anderen unzehligen Handwercks-Leuten zur Genüge bekannt. Da wir nun selbige ebenfalls aus denen Wäldern holen müssen / so wird nicht übel gethan seyn / wenn wir von dieser materie allhier absonderlich handeln.' 

Die klassischen Fachbücher zur Köhlerei

Beginnend im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und vermehrt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen die ersten speziellen Fachbücher zur Köhlerei (Monographien von Scopoli 1771, Zanger 1773, Späth 1800, von Berg 1828/1860, Freytag 1831, Klein 1836, Dietrich 1847) auf den Markt. Diese explizite Köhlereifachliteratur verfolgt ausdrücklich das Ziel, den Meilerbetrieb effizienter zu gestalten. So finden sich etwa bei Späth mathematische Berechnungen zur optimalen Grösse eines Meilers, und Freytag schreibt über das 'vortheilhafteste Verkohlen des Holzes in Meilern'. Der durch massiven Ressourcenverbrach entstandene Mangel am Rohstoff Holz und die zunehmende Konkurrenz der inzwischen fast überall preiswerter verfügbaren Kokskohle sind vermutlich der Anstoß. 

Die Zeit der industriellen Holzkohleproduktion

Im 19. Jahrhundert löst die industrielle Holzkohleproduktion in Stahlglocken und Retorten, in Ofenanlagen und Holzkohlefabriken zunehmend die traditionelle Meilerköhlerei ab. Damit kommen auch vermehrt die flüssigen und gasförmigen Produkte der Verkohlung zur Nutzung und Weiterverarbeitung. Diese Produkte bilden immer mehr den Schwerpunkt der Pyrolyse des Holzes; das Produkt Holzkohle steht längst nicht mehr im Mittelpunkt. 

Auch dazu erscheint eine Fülle von neuen Veröffentlichungen (vielfach mit industrietechnologischen und chemischen) Schwerpunkten in Fachzeitschriften und Fachbüchern, in denen die traditionelle Meilerköhlerei nur noch als historische und überholte Entwicklungsstufe der längst industrialisierten Pyrolyse des Holzes in der Vergangenheit Erwähnung findet. 

Am Rande angemerkt: 

Fast zeitgleich entstehen im 19. Jahrhundert eine Fülle von Gedichten, Geschichten, Anekdoten, Gemälden und Druckgrafiken, die das Köhlerleben literarisch und bildnerisch darstellen. Aus dem Lebensgefühl der Romantik heraus erwachsen in dieser Epoche eine Verklärung des ländlichen Lebens, ein Entdecken des Waldes als Sehnsuchtsort und ein eher sentimentales Interesse am Alltag der einfachen Leute. Inmitten der explodierenden technischen Entwicklung und Industrialisierung mit all ihren sozialen Verwerfungen wirkt das wie ein letzter Versuch, die vertraute Vergangenheit festzuhalten. Zusammen mit dem in dieser Zeit ebenfalls zunehmenden Interesse an der Geschichte wird der Blick so auch auf die einsam im Wald lebenden und arbeitenden Köhler gelenkt. Diese kulturellen Zeugnisse des Köhlerlebens zu dokumentieren, wäre ein weiteres Kapitel der Köhlereigeschichte, das noch zu schreiben ist...

Ein Kanon der 25 Klassiker zur Meilerköhlerei in chronologischer Reihenfolge (nach Erscheinungsdatum der Originalausgabe):

'Naturgeschichte der Gewächse' des Theophrastos (374/369 - 288/285 vor Christus),in's Deutsche übersetzt und erläutert von K. Sprengel, Altona 1822 (digitalisiert zugänglich: digitale-sammlungen.de)

Die Naturgeschichte des Caius Plinius Secundus, um 50 nach Christus, deutsche Übersetzung u.a.: Hrsg. L.Möller/M.Vogel, Wiesbaden 2007 (digitalisiert zugänglich: digital.onb.ac.at )

G. Agricola, De re metallica libri XII, Basel 1556, in's Deutsche übersetzt: Vom Bergkwerck,12 Bücher, von Philippus Bechius, Basel 1557 (digitalisiert zugänglich: digitalis.uni-koeln.de)

V.Biringuccio, De la Pirotechnia, Venedig 1540, in's Deutsche übersetzt und erläutert von O.Johannsen, Braunschweig 1925

Christoph Weigel, Abbildung der gemein-nützlichen Hauptstände..., darin „Kohlenbrenner“ S. 662 - 664, Regensburg 1698  (digitalisiert zugänglich: digital.slub-dresden.de)

F. P. Florin, Allgemeiner Klug- und Rechtsverständiger Haus-Vatter, 9 Bücher, Nürnberg, Frankfurt, Leipzig 1702, 4. Buch, XXVI. Kapitel  „Vom Kohlenbrennen“ (digitalisiert zugänglich: digitale.bibliothek.uni-halle.de)                                                                                

H.C. von Carlowitz, Silvicultura oeconomica, Anweisung zur wilden Baum-Zucht, Leipzig 1713                                                                                                                           (digitalisiert zugänglich: digitale-sammlungen.de)

D. Diderot/J.B. le Rond d’Alembert, Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke) Paris 1751-1780, Artikel „Charbon“ in Bd. 3 von 1753 (digitalisiert zugänglich in französischer Sprache: fr.wikisource.org)

H. L. Duhamel du Monceau, Die Kunst des Kohlenbrennens oder die Art und Weise, aus Holz Kohlen zu machen, in französischer Sprache, Paris 1761 (digitalisiert zugänglich: digbib.hab.de)

J.H.G von Justi, Schauplatz der Künste und Handwerke oder vollständige Beschreibung derselben. Verfertiget oder gebilliget von denen Herren der Academie der Wissenschaften zu Paris, 21 Bände, Berlin, Stettin und Leipzig 1762–1805  (teilweise ditalisiert zugänglich: diglib.hab.de und digital.onb.ac.at und digitale-sammlungen.de)

J.S. Halle, Werkstätte der heutigen Künste, oder die neue Kunsttheorie, 3. Band S. 242 ff 'Vom Kohlenbrennen' Brandenburg und Leipzig 1764 - 1779  (digitaliert zugänglich: books.google.de)

J. A. Cramer, Anleitung zum Forst - Wesen, nebst einer ausführlichen Beschreibung von der Verkohlung des Holzes (12. und 13. Kapitel), Braunschweig 1766  (digitalisiert zugänglich: digitale-bibliothek-mv.de)

J.A. Scopoli, Abhandlung vom Kohlenbrennen, Bern 1771 (digitalisiert zugänglich: books.google.de)

Johann Georg Krünitz, Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, Berlin 1773 ff, Band 43 unter dem Stichwort Kohle,(digitalisiert zugänglich: www. kruenitz1.uni-trier.de)

A.I Zanger, Waldämtlich- gepriest- bestättigt und in nachfolgende Ordnung gesetzte Beschreibung des Anton Ignatz Zanger, Mitglied der kaiserlich- königlich- nieder österreichisch ökonomischen Gesellschaft über die Kohlungsart in liegenden Werken, insgemein Werkkohlung genannt... Steyr 1773

J.L. Späth, Praktische Abhandlung über das Verkohlen des Holzes in großen und kleinen Mailern für Cammeralisten und Forstmänner..., Nürnberg 1800

C.D. af Uhr, Anleitung zur vortheilhaften Verkohlung des Holzes in stehenden und liegenden Meilern, aus dem Schwedischen übersetzt von Dr. J.G.L. Blumhof, Giessen 1820

G.L. Hartig, Lehrbuch für Förster und die es werden wollen, Wien 1823  (digitalisiert zugänglich: digitale-sammlungen.de)

C. H. E. Freiherr von Berg, Anleitung zum Verkohlen des Holzes. Ein Handbuch für Forstmänner, Hüttenbeamte, Technologen & Cameralisten, Darmstadt 1828/1860 (digitalisiert zugänglich: books.google.de)

F. Freytag, Von der vortheilhaftesten Verkohlung des Holzes in Meilern, Quedlinburg und Leipzig 1831 (digitalisiert zugänglich: e-rara.ch)

F. Klein, Ueber Verkohlung des Holzes in stehenden Meilern, Gotha 1836 (digitaliert zugänglich: books.google.de)

C.F.A. Hartmann, Vollständige Brennmaterialkunde, Weimar 1841, 112. Band der Reihe 'Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke. Mit Berücksichtigung der neuesten Erfindungen, herausgegeben von einer Gesellschaft von Künstlern, Technologen und Professionisten, Illmenau / Weimar 1817 - 1903 (digitalisiert zugänglich: digitale-sammlungen.de)

V. Dietrich, Das Ganze der Verkohlung in stehenden Meilern oder die sogenannte italienische Köhlerei, Graz 1847 (digitalisiert zugänglich: books.google.de)

A. Seidensticker, König. Waldgeschichte des Alterthums, ein Handbuch für akademische Vorlesungen etc. Frankfurt a.O. 1886 (digitalisiert zugänglich: www. archive.org)                                                                                           

Pauly-Wissowa-Kroll, Realenzyklopädie der classischen Altertumswissenschaft, Stuttgart 1890 ff, Artikel 'Kohle' (digitalisiert zugänglich: de.wikisource.org)

 

 

 

 

 

 

 

 

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