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Europäischer Köhlerverein
Europäischer Köhlerverband e.V. gegründet 1997 in Hasselfelde, Sitz in Eibenstock OT Sosa, Präsident: Karl Josef Tielke, Mail: info@europkoehler.com
  
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Holzkohlemeiler

aktuelle Informationen

"In dem schönen Monat Mai zieht der Köhler in sein Hai (Waldstück)..." - so heisst es in einem alten Harzer Köhlerlied, das auch heute noch viel gesungen wird. In diesem zweiten Coronajahr trifft das nur sehr eingeschränkt zu, weil viele Meilerwochen/Köhlerfeste im ersten Halbjahr nicht stattfinden können. So begnügen wir uns mit dem erzgebirgschen Minimeiler, der unser Wohnzimmer mit dem unvergleichlichen Meilerduft erfüllt. Und wir hoffen auf das zweite Halbjahr und ganz besonders auf die Tage vom 16. - 19. September. Dann werden wir uns in Wolfshagen (Harz) zum Europäischen Köhlerfest versammeln - dahin blicken wir aus mit steigender Zuversicht...
Zwar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine definitive Entscheidung möglich, ob das Treffen stattfinden kann oder abgesagt werden muss. Aktuell gilt:
- Alle Vorbereitungen laufen weiter!
- Das Anschreiben (per Mail) der ausrichtenden Wolfshäger Meilerfreunde zur verbindlichen Anmeldung für das Treffen ist inzwischen an die EKV-Mitglieder verschickt.
- Darin ist als Anmeldeschluss der 12. Juni festgesetzt.
- Nach Eingang der verbindlichen Anmeldungen und der Teilnehmerbeiträge werden die Wolfshäger Meilerfreunde mit dem EKV-Vorstand die absehbare Corona-Lage und mögliche Auflagen für das Treffen gemeinsam bewerten und entscheiden, ob das Treffen unter diesen Bedingungen stattfinden kann. Falls das Treffen nicht stattfinden kann, werden die Teilnehmerbeiträge zurückerstattet.
Für Nachfragen usw. sind die ausrichtenden Meilerfreunde Wolfshagen telefonisch unter 0049 5326 9162885 oder per Mail unter meilerfreunde@gmail.com zu erreichen.
Die Entwicklung der Pandemie in der jüngsten Zeit und die schnell steigenden Impfzahlen lassen die Aussichten auf eine erfolgreiche Durchführung steigen… (Stand: 09.05.2021)
COOL DOWN - mit Pflanzenkohle die Klimakrise lösen?
Durch Verbrennung die Erderwärmung eindämmen? Klingt paradox, ist aber möglich!
Die zugrundeliegende Methode - die sauerstofffreie "Verbrennung" von organischen Materialien wie Küchenabfällen und Pflanzenresten - wurde bereits vor über 500 Jahren entwickelt. Auf diese Weise produzierte Pflanzenkohle (ähnlich: Holzkohle) macht Böden fruchtbar, reinigt Wasser und kann als Zuschlagstoff die Eigenschaften von Stahl und Beton verbessern. Vor allem aber kann sie die Klimaerhitzung drastisch Eindämmen, indem sie der Atmosphäre Kohlenstoff entzieht.
Das Buch "Cool down" von Albert Bates und Kathleen Draper liefert eine beeindruckende Sammlung an Projekten und Ideen, die alle auf ein Ziel gerichtet sind: Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu holen, um ihn langfristig zu binden – sei es im Boden, in Gebäuden, Straßen oder anderen langlebigen Produkten. Im Zentrum steht Pflanzenkohle mit ihren unzähligen Anwendungsmöglichkeiten. Pflanzenkohle und die bei der Pflanzenkohle-Herstellung gewinnbaren flüssigen Stoffe können knappe Ressourcen ersetzen. Cool down zeigt auf, wie dies nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll gestaltet werden kann. 
Ein Buch über einen wahren Alleskönner gegen die Klimakrise! Nicht nur für Köhler höchst lesenswert...
(oekom Verlag, München, 2021)
- können derzeit alle gut gebrauchen, die sich fragen, ob das 13. Europäische Köhlertreffen vom 16. - 19. September 2021 wohl stattfinden kann! Solange die Coronapandemie nicht überwunden ist, wird diese Frage die europäischen Köhler vermutlich weiter beschäftigen. Eine definitive Aussage, ob oder ob nicht, kann derzeit niemand ernsthaft machen. Also warten wir weiter ab, wie es uns von der Arbeit am Meiler ja vertraut ist - auch da kann niemand schon beim Anstecken sagen, wie gut die Kohle beim Ernten sein wird. Am Meiler beobachten wir immer wieder die aktuellen Bedingungen von Wind und Wetter, lesen die Farbe des Rauches usw. und kommen so nach und nach zu klareren Einschätzungen und Prognosen! Also sehen wir auch auf den September hin wie die Fakten sind: Corona ist noch aktiv, die Impfungen nehmen zahlenmäßig zu, die Verhaltensregeln werden regional differenzierter, Experten machen Hoffnung, dass im Sommer vieles wieder möglich wird, was vor ein paar Wochen noch undenkbar schien. Das alles natürlich unter dem entscheidenden Vorzeichen, dass wir uns weiter an Kontakt-, Abstands- und Hygieneregeln halten und tapfer weiter Gesichtsmaske tragen. Vorsichtiger Optimismus könnte angebracht sein…
Trotz aller Fragezeichen arbeiten die Wolfshäger Meilerfreunde als Ausrichter in Abstimmung mit dem EKV-Vorstand intensiv an der Vorbereitung unseres Europatreffens. Schon vor Monaten haben sie die Liste der möglichen Unterkünfte verschickt, und viele von euch haben ihre Quartiere gebucht. Mit der Weihnachtspost habe ich zur Mitgliederversammlung (u.a. mit Neuwahlen) eingeladen. Vor ein paar Wochen haben die Wolfshäger euch die möglichen Angebote für den Samstag „Berge voller Möglichkeiten“ zugemailt, und mehr als 200 Interessenten haben ihre Ausflugswünsche zurückgemeldet. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten hätte ich niemals mit einer so hohen Rückmeldequote gerechnet. Das sollte uns doch Zuversicht geben!!! Die Einladung mit den Anmeldeformularen ist in Vorbereitung. Anfang April werden wir im EKV-Vorstand die Lage noch einmal beraten und dann hoffentlich grünes Licht für die nächsten Vorbereitungsschritte geben können. Das alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Coronasituation sich weiter zum Positiven entwickelt… Sobald sich genauer klärt, welche Bedingungen und Auflagen für unser Treffen dann gelten, werden wir entsprechend informieren!
Für Nachfragen usw. sind die ausrichtenden Meilerfreunde Wolfshagen telefonisch unter 0049 5326 9162885 oder per Mail unter meilerfreunde@gmail.com zu erreichen.
Richten wir uns erstmal voller Hoffnung auf ein Wiedersehen im herbstlichen Harz in Wolfshagen ein.
Bis dahin herzliche Köhlergrüsse, und bleibt gesund…

Karl Josef Tielke
(Stand: 12.03.2021)
- ist eine neue Broschüre der Harzköhlerei Stemberghaus betitelt, die Anfang November veröffentlicht wurde. Auf gut 50 reich bebilderten Seiten hat der bekannte Harzer Heimatkundler Prof. Dr. Lutz Wille eine Fülle von Überlieferungen zur Harzer Köhlerkultur zusammengetragen. So finden sich Kapitel zu Köhlertraditionen, zur Köhlertracht, zu Harzer Köhlerliedern und Jodelrufen, zu Köhlerglocke und Köhlergeläut, sowie Köhlermärchen und -geschichten aus dem Harz. Eine gut gelungene Dokumentation zur Kulturgeschichte der Köhler in einer der traditionsreichsten Köhlerregionen Deutschlands. Die Broschüre kann zum Preis von 7,00€ zzgl. Versandkosten bezogen werden bei: Harzköhlerei Stemberghaus, Stemberghaus 1, 38899 Hasselfelde, Mail: stemberghaus@harzkoehlerei.de
...ist eine kleine Handreichung überschrieben, die ab sofort in der Rubrik "Grundlagen/Literatur" unter dem Stichwort "Handwerkstechnik" veröffentlicht ist und gern kopiert werden darf. EKV-Mitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Wienhaus, langjähriger Professor für Pflanzenchemie und Ökotoxikologie der Technischen Universität Dresden in Tharandt, hat mit Unterstützung von Heinz Sprengel eine kurze fachliche Darstellung zur Frage der beim traditionellen Meilerbetrieb entstehenden Emissionen und den rechtlichen Vorgaben für unsere Meiler erstellt. Damit wollen wir unseren Mitgliedern und allen interessierten Köhlern eine fachliche Argumentationshilfe für die in den letzten Jahren vermehrt aufkommenden Diskussionen im Zusammenhang der Klimadebatten an die Hand geben. Auf diese Weise hoffen wir zu einer Versachlichung der Diskussionen beizutragen, damit die Ausübung des Köhlerhandwerkes als immaterielles Kulturerbe eine gute Zukunft behält...
Wird es einst still am Grill ?
Um die Feuerstellen unserer Ur-Ur-Ahnen könnte die erste Gesprächskultur entstanden sein. Die Evolutionsbiologen sind sich immer noch nicht einig, ob es einen Zusammenhang gibt: Gegarte Speisen, insbesondere Fleisch, sollen für einen besonderen Wachstumsschub im Hirn gesorgt haben. Dass dagegen unsere Grillkultur heute soziale Kontakte fördert, ist unbestritten. Ein jahrtausendealtes Begleitmaterial: Holzkohle. Grillen vor und nach Corona 28. Januar 2020, 0.04 Uhr: Die Deutsche Presseagentur meldet in der Nacht von Montag auf Dienstag die erste Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland. Ende Februar hat das Thema noch immer nicht die breite Bevölkerung erreicht. Zum Beispiel in einem Wald am Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz. Dort stehen am Wochenende zum Märzbeginn zwei Männer an einem öffentlichen Grill. In warmer Wanderkleidung und Wollmütze unterhalten sie sich locker und angeregt. Leichter Rauch steigt auf, verlockende Düfte von Gegrilltem ziehen mit. Es ist still im noch winterlichen Wald. Die beiden haben Freude am Außergewöhnlichen und am ganz normalen Alltag. Keine Spur davon, dass dieser Alltag in wenigen Tagen ganz anders aussehen würde.
Geröstetes vor 1018 Jahren
Während die Wälder in Europa heute unter extremer Trockenheit leiden, sahen sie tausend Jahre früher ganz anders aus: größer, dichter, dunkler – und gefährlicher. Neben aufgeschreckten Wölfen, Bären oder Ebern lauerten auch Wilderer und Wegelagerer. Darum wird der am 7. Juni 1002 gekrönte König Heinrich der Zweite auf seinem Weg von Mainz nach Paderborn die Wälder gemieden haben. Schließlich wollte er sich den Lehensherren und den Untertanen zeigen. Heinrich der Zweite gelangte mit seinem Gefolge zwei Monate nach seiner Krönung, über schier endlose Reitwege kreuz und quer durch sein neues Reich, in den Teutoburger Wald, genauer am 10. August nach Paderborn. Dort erwartete ihn seine frisch angetraute Gattin Kunigunde von Luxembourg. Sie sollte als erste «deutsche» bzw. ostfränkische Königin gekrönt werden und später auch als Kaiserin in die Geschichte eingehen. Was genau beim Festmahl aufgetischt wurde, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall nicht nur Wild, wie oft kolportiert wird. Und es war noch kein Grillrost, sondern ein Spieß über Holzkohleglut, an dem ganze Tiere, Hälften oder große Teile geröstet wurden.
Wälder, Wild und Weihrauch
In Paderborn, nicht im großen Dom, sondern vor dem Paradiesportal, wurde im August 2019 ein anderes Zeremoniell durchgeführt. Bastian Asmus, ein sogenannter Archäometallurge, hatte eine aufwändig nach alten Vorbildern gegossene bronzene Bienenkorbglocke gefertigt, die jetzt geweiht wurde und zum ersten Mal erklingen durfte. Einerseits ging es bei diesem Prozess darum, altes Metallurgiewissen zu reproduzieren, anderseits wollte man die Bedeutung der Holzkohle über all die Jahrhunderte ins Bewusstsein rücken. Mitinitiant der speziellen Aktion war Karl Josef Tielke, seines Zeichens Präsident des Europäischen Köhlerverbandes. Ja, den gibt es – und dieser Verband hat mittlerweile über 3000 Mitglieder! Einen so steilen Erfolg haben nur wenige Vereine. Gegründet 1997 in Hasselfelde von damals 18 Mitgliedern ist er heute äußerst aktiv, mit jährlichem Treffen und engagiertem Programm. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die traditionelle Holzköhlerei und die Teerschwelerei in Deutschland, Oesterreich, Schweiz und Slowenien zum immateriellen Kulturerbe gehört. Köhler und Teerschweler waren jahrhundertelang jene wenigen Berufsleute, die nahezu ausschließlich im Wald lebten. Wer etwa im Spätmittelalter sich auf irgendeinem Waldweg verirrte – buchstäblich auf dem Holzweg war – konnte mit größter Wahrscheinlichkeit auf einen Köhler treffen, der ihn verköstigte und ihm den Weg wies. Zu dieser Zeit gehörten die meisten Wälder dem Adel, den Fürstbischöfen oder den Klöstern. Die Köhler aber sorgten mit dafür, das unsere Zivilisation voran kam. Dank Holzkohle konnten nicht nur Glocken gegossen werden. Holzkohle war auch Grundlage für Schießpulver und Holzkohle war die Grundlage für jegliche Metallverarbeitung: vom goldenen Halsschmuck bis zu eisernen Brücken und Schienenverbindungen. Daneben heizte sie auch ein für Glas und Gekochtes, für Brot und für Bier.
Des Deutschen liebster Zeitvertreib
Heute ist die Holzkohle fast ausschließlich für Barbecues und fröhliches Familiengrillen bekannt. Generell sind die Deutschen, neben den Franzosen, wahre Grillweltmeister – gemessen an der Häufigkeit des Tuns und an der Menge des verzehrten Fleisches. Archäologen und Ethnologen schätzen aber, dass schon in der steinzeitlichen Ernährung die Kalorien zu 35 Prozent aus fleischlicher Nahrung stammten. Nach dem Sesshaftwerden kam beim «gemeinen Volk» selten ein Stück Fleisch oder Wurst auf den Tisch. Fleisch – ob Wildbret, Geflügel oder Schwein – war im Mittelalter ein Privileg der Adligen. Bei deren Gelagen trug man es in großen Mengen auf. Wissenschaftler gehen von 50 Kilogramm pro Person und Jahr aus, wobei klar ist, dass der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch im Mittelalter nie die gesamte Bevölkerung einschloss. – Heute liegt der Fleischverzehr der Deutschen bei etwas über 60 Kilogramm pro Person und Jahr (2018). Wieviel davon auf dem Grill landet, ist nur schwer auszumachen. Jedenfalls soll im 2019 für 1,2 Milliarden Euro Grillfleisch verkauft worden sein. Fast 97 Prozent der Deutschen geben an, sehr gerne zu grillen; und jeder vierte Deutsche bezeichnet sich als Ganzjahresgriller.
Grillen als sozialer Kitt
Längst hat Essen den Primärwert des Ernährens bzw. Nichtverhungerns hinter sich gelassen. Nie zuvor dürfte die Zubereitung und Präsentation von Nahrung die öffentliche Bildsprache derart besetzt haben wie heute. Kaum ein Medium, dass ohne Themen wie Kochen/Essen auskommt. In Werbung und PR sind Gedecke, Mis-en-place- Arrangements und Speisen aller Art und Provenienz nicht zu übersehen. Prominente zeigen nicht mehr nur ihre Live-Style-Attribute und Statussymbole, sondern rühmen sich ihrer Kochkünste oder zumindest ihres hochentwickelten Gourmet-Anspruchs. Dementsprechend wird am und um den Grill gerne über Saucen und Beilagen, über Gewürzmischungen und Marinaden gefachsimpelt. Manchmal auch über die Qualität der Holzkohle (oder über die für den Grillchef «einzige Alternative» Gas bzw. die «einzige Alternative» Strom). Oder, und da ist man am Kern der Gegenwart, es wird über die Zeichen der Zeit diskutiert – wie jetzt gerade das Thema Corona/Covid-19. Unbestritten bleibt: wer sich in geselliger Runde um eine Feuerstelle schart, hat sozialen Kontakt – und fürs Erste genügend Nahrung. Das war schon bei unseren Steinzeit-Vorfahren der Fall. Nur hatten sie keinerlei Vorstellung von einer Pandemie.
Pandemiegespräche und Zukunftsvisionen
Jetzt, im Mai 2020, sieht die Sache anders aus. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind sich einzelne Individuen bewusst, dass ihre Situation die nahezu gleiche ist, wie diejenige eines Menschen auf der anderen Seite der Erde. Durch Satellitenübertragungen und Internet wird zum ersten Mal auch weltweit spürbar, dass sich ein Wandel vollzieht, der menschengemacht ist: Klimaveränderungen, riesige Waldbrände, Überschwemmungen. Das sind nicht mehr ferne Nachrichten aus Australien, aus Brasilien, aus China, Grönland oder Patagonien. Unsere Spezies, der Mensch, hat auf dem Planeten die Rolle der Dinosaurier eingenommen. Durch Selektion und Anpassung sind wir die am meisten verbreiteten Wesen auf der Erde geworden (von Ameisen, Termiten und gewissen Algen einmal abgesehen). Ende November 2019 wurde die Weltbevölkerung mit 7,75 Milliarden angegeben. In dreissig Jahren, für 2050, rechnen die Vereinten Nationen mit 9,7 Milliarden Menschen.
Schon einmal an dieser Grenze?
Menschliche Zivilisationen waren schon mehrmals an ihre Grenzen gekommen. Sumerer, Ägypter, Phönizier, Maya und andere: Sie alle gingen unter – ob wegen Viren, Hungersnöten oder gegenseitigem Abschlachten aus Gier und Gewinnsucht. Spannend bei der Erforschung unserer Vorfahren ist, dass Holzkohle zu einem wissenschaftlichen Schlüssel werden kann. Auf dem Gebiet der Anthrakologie werden laufend neue Messmethoden entwickelt, die zu neuen Erkenntnissen über frühere Kulturen führen. Nur etwa 30 Jahre ist es her, dass eine deutsche Forschergruppe mit dem Bodenkundler Dr. Bruno Glaser erkannte, wie die rätselhafte «Terra Preta» im nordbrasilianischen Amazonasgebiet durch Menschenhand entstand. Was wiederum bedeutete, dass in einem Urwald, wo eigentlich gar keine Agrarwirtschaft Bestand haben kann, Tausende von Menschen gut ernährt werden konnten. Terra Preta, mit Holzkohle aktivierte fruchtbare Erde, kennt heute praktisch jeder Hobbygärtner.
Symbol für Hoffnung: Holzkohle
Holzkohle, Pflanzenkohle oder Biokohle – also die Produkte, die durch Pyrolyse von Biomasse entstehen – könnten für viele zukünftige Probleme zur Lösung werden, sowohl was unsere Ernährung als auch unsere Energieversorgung betrifft. Unser Blickwinkel ist «dank» der Covid-19-Pandemie in allen Zukunftsbereichen weiter geworden. Wir müssen uns – zwangsläufig – als Bewohner eines einzigen Planeten bewusst werden. Das bedeutet nicht nur, weltweit virtuell vernetzt zu sein. Wir Menschen müssen uns auch spirituell als verbunden und zugehörig erkennen. – Noch vor einem Jahr wurde Alexander von Humboldt gefeiert. Seine Grunderkenntnis nach seinen beschwerlichen Reisen: «Alles ist mit allem verbunden». Es ist an der Zeit, diese Bewusstheit zu leben – hier und weltweit.
(Autor: Helmut W. Rodenhausen, Sein Buch «HOLZKOHLE – Vom schwarzen Gold zur Glut im Grill» ist im HAUPT-Verlag unter der ISBN-Nummer 978-3-258-60214-1 erschienen.
Bild: Edizio.com / Simon Eugster, Luzern: Ein Stück Holzkohle im «Brillantschliff» und ein Diamant. Ihr Kohlenstoffanteil liegt sehr nahe beianander.)
- lautet der Titel eines neuen Köhlerbuches aus der Schweiz. Konzipiert und geschrieben hat es Helmut W. Rodenhausen, ein Schweizer Autor mit ganz viel Leidenschaft für die Köhlerei. Der Verlag schreibt dazu: „ Auf 360 Seiten werden – ausgehend von den aktiven Köhlern im schweizerischen Entlebuch – die verschiedensten Themen der Holzkohle behandelt.
Neben der Geschichte der Köhlerei (incl. Teerschwelerei) sind die Forstwirtschaft, die medizinischen Anwendungen der Aktivkohle, die Terra-Preta, die wissenschaftlichen Bereiche der Anthrakologie und selbstverständlich die unterschiedlichen Arten der Verkohlung beschrieben. Interessant und reich bebildert sind ebenfalls die Kapitel über Köhler-Sagen und -Erzählungen, über «Kunst & Kohle» sowie über Köhlerfeste rund ums Jahr. Natürlich dürfen auch die Bezüge zur Arbeit des Europäischen Köhlerverbandes nicht fehlen.“ Nach der Lektüre des Buches sehe ich diese Beschreibung als viel zu nüchtern und sachlich an, die kaum etwas von der Magie der Fotos und den wertschätzenden Texten der 360 Seiten ahnen lässt. „HOLZKOHLE“ ist ein Lese- und Bilderbuch (171 Fotos) rund um das Köhlerhandwerk, flüssig und leicht, fast reportageartig und gut lesbar geschrieben. Ein lebendiger Streifzug durch (fast) alle Themen rund um Holzkohle und Köhlerhandwerk. Obwohl gründlich und fachlich sauber recherchiert, ist das kein trockenes Fachbuch, das einer streng logischen Fachystematik folgt. Eher assoziativ und ganz stark mit seiner Bildersprache. Holzkohle wird nicht allein technisch, sondern als Kulturgut in Geschichte, Gegenwart und Zukunft präsentiert. Die zweijährige intensive Erkundung der Materie findet einen seriösen Niederschlag in jedem der zehn Kapitel. Die Leidenschaft für das Produkt und das Handwerk prägen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Das ist ein Buch, das jedem Köhler gut ansteht. Ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk, das Lust auf Köhlerei macht. Von den Köhlerbüchern der letzten Jahre ist mir kein einziges vergleichbar gutes und empfehlenswertes bekannt! Natürlich hat Qualität ihren Preis: 59 € in Deutschland, 68 CHF in der Schweiz. Gut angelegtes Geld auf jeden Fall. Im Haupt Verlag erschienen, im Buchhandel erhältlich ISBN: 978-3-258-60214-1. Auf der Website www.edizio.com/shop kann das Buch auch direkt vom Autor mit einer persönlichen Widmung bestellt werden. Ein Satz von der letzten Seite: „Holzkohle hätte es schon lange verdient, dass man ihr ein Denkmal setzt.“ Mit seinem Buch hat Helmut W. Rodenhausen der Holzkohle ein würdiges Denkmal gesetzt. Mein grosser Köhlerdank gilt ihm für dieses vorzügliche Werk - allzeit GUT BRAND!!! (KJT)
P.S. Inzwischen gibt es eine ausgezeichnete Vorstellung des Buches im Hessischen Rundfunk: https://www.hr2.de/podcasts/neue-buecher/helmut-w-rodenhausen-holzkohle-vom-schwarzen-gold-zur-glut-im-grill,podcast-episode-62696.html
Und schon ist das 12. Europäische Köhlertreffen in Hardehausen und Giershagen Geschichte! Augenfällig erkennbar an der neuen europäischen Köhlerliesel Denise Nolte aus Giershagen, die bis zum nächsten Europatreffen 2021 ein prägendes Gesicht des Europäischen Köhlerverbandes sein wird. Fast 400 Köhlerfreunde aus 8 europäischen Länder verbrachten in jeder Hinsicht sonnige und begegnungsreiche Tage miteinander, die die Grenzen zwischen ihren Herkunftsländern für diese Zeit in ein europäisches Ganzes aufgehen liessen. Ein paar Stichworte: Vereinbarung wechselseitiger Ehrenmitgliedschaft mit der Vereinigung europäischer Bergmanns- und Hüttenvereine, dem Heiligen Köhler Alexander Carbonarius nach 1750 Jahren wieder am Meiler, Ehrenmitgliedschaft für den Schirmherrn Erzbischof Hans-Josef Becker, Mitgliederversammlung mit klarer Perspektive zum immateriellen Kulturerbe und Entscheidung, das nächste europäische Köhlertreffen vom 16. - 19. September 2021 in Wolfshagen (Harz) zu veranstalten, Bergbauexkursionen rund um Giershagen, Eröffnung der Giershagener Meilerwoche, Abschied von Köhlerliesel Amelie Leflaec, Pflanzen eines europäischen Baumkreises mit allen anwesenden Ländern, Empfang durch Erzbistum und Stadt Paderborn, Teilnahme an der Weihe der mit unserer Holzkohle gegossenen mittelalterlichen Glocke für die Bartholomäuskapelle in Paderborn und viel gute Musik, internationaler Gesang, Austausch über Gott und die Welt und natürlich Köhlereithemen und in allem immer wieder EUROPA, EUROPA, EUROPA... Unter Publikationen steht jetzt eine Bildergalerie mit Fotos von: Maria Aßhauer, Hartmut Bisinger, Ursula Kopshoff, Ronald Pfaff, Cornelia Thomas, Teresa Tielke bereit. Allzeit GUT BRAND!!!
Wenn im Winter die Meiler ruhen, bleibt an langen Abenden Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, z.B. sich in die Fachliteratur zur Köhlerei einzugraben. Ich habe die Wintermonate genutzt, um im Internet die inzwischen überwiegend digitalisierten alten Fachbücher rund um die Köhlerei aufzuspüren und systematisch zu sortieren. Im frühen Frühjahr habe ich die Ergebnisse dieser Literaturrecherche verschiedenen Zeitepochen zugeordnet und kommentiert. Herausgekommen ist dann "Eine kleine Geschichte der Fachliteratur zur Meilerköhlerei von den Anfängen bis in's 19. Jahrhundert", die ab sofort in der Rubrik "Grundlagen/Literatur" zugänglich ist. Ich hoffe, dass der Text ein kleiner Baustein in unserem grossen Anliegen sein kann, nicht nur aktuelle Köhlereithemen, sondern auch Geschichte und Grundlagen des Köhlerhandwerkes lebendig zu überliefern. (Karl Josef Tielke)
Wer zum EKV gehört, zeigt das auch gern öffentlich - deshalb gibt es EKV- Poloshirts, Aufnäher, Aufkleber, Halstücher, Flyer, deren Erscheinungsbild von Zeit zu Zeit renoviert wird. Nach der Namensänderung zum „Europäischen Köhlerverband“ im Jahr 2017 wurden einige der Erkennungszeichen entsprechend neu gestaltet. Poloshirts mit dem gestickten Schriftzug „Europäischer Köhlerverband“ auf der Vorderseite, „Gut Brand“ auf dem Ärmel und einem aufgestickten Meiler auf der Rückseite können zum Preis von 30,00 € zzgl. Versandkosten über Heinz Sprengel, Karl-Liebknecht-Str. 11, 08289 Schneeberg, 0049 3772 326576, Heinz.Sprengel@t-online.de bezogen werden. Dort gibt es auch noch die beliebten roten Dreiecks-Halstücher aus solidem Stoff mit aufgesticktem "GUT BRAND" in den Maßen 100/68/68 cm zum Preis von 13,00 € pro Stück zzgl. Versandkosten und Aufnäher mit dem eingestickten Logo des EKV mit dem Durchmesser von etwa 9,5 cm zum Preis von 5,50 € pro Stück (ab 10 Stück 5,00€) zzgl. Versandkosten.
Flyer und Aufkleber gibt es in begrenzter Stückzahl kostenlos bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen oder über info@europkoehler.com
Beim 10. Europäischen Köhlertreffen in Neukirchen konnte ein neues Produkt des EKV vorgestelltwerden: das KÖHLERSPIEL! In der Art der bekannten Leiterspiele lässt sich mit diesem Würfelspiel die Arbeit eines Köhlers vom Aufbau des Meilers über das Verschwelen bis zum Ernten der Holzkohle verfolgen. Eine geniale Möglichkeit, wie Kinder einen spielerischen Zugang zum Köhlerhandwerk bekommen können - am besten, wenn Eltern oder Grosseltern mit ihnen spielen und dabei noch Erinnerungen und Erlebnisse einfliessen lassen! Dank der grosszügigen Unterstützung der BIAG (Barbecue Industry Association Grill e.V.) können wir das Spielfeld zum Stückpreis von 2,50 € zzgl. Versandkosten anbieten. Wer gleich 5 Expl. bestellte, zahlt dafür lediglich 10,00 € zzgl. Versandkosten. Bestellungen bei: Europäischer Köhlerverein e.V., Hauptstr. 28, 08309 Eibenstock oder bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen (info@europkoehler.com).
2o Jahre Europäischer Köhlerverband, eigentlich eine zu kleine Zahl, um schon gross zu feiern! Auf der anderen Seite eine schöne Gelegenheit, innezuhalten und die rasante Entwicklung seit 1997 zu würdigen.
Am 03. Oktober 1997 kamen im Stemberghaus in Hasselfelde/Harz zahlreiche Köhlerfreunde zusammen, um zuallererst die Eröffnung des ersten deutschen Köhlereimuseums zu feiern. 18 von ihnen hatten noch anderes im Sinn: sie beschlossen förmlich, den Europäischen Köhlerverein zu gründen. Überraschend vielleicht: der 03. Oktober war ja schon damals Tag der deutschen Einheit, und dennoch wurde ein europäischer Verband gegründet! Ich halte diese Tatsache nach wie vor für eine visionäre Entscheidung, die unseren Verband - so wie den wehenden Meilerduft - nicht eng national begrenzt, sondern in einen weiten grenzüberschreitenden Horizont gestellt hat. Und wer von uns erinnert sich nicht mit Freude und manchmal feuchten Augen an die beglückenden Begegnungen mit den europäischen Nachbarn, an das Erleben und Geniessen der anderen Kulturen, auch wenn der erste Schritt manchmal Überwindung gekostet hat? Besonders die europäischen Köhlertreffen (Vertreter der Ausrichter aus Österreich, aus Italien, der Schweiz und aus Frankreich sind unter uns) haben Verbindungen zu Freundschaften wachsen lassen, die Sprachprobleme bedeutungslos machen und auch durch schlechte Nachrichten aus Politik und Finanzwelt nicht erschüttert werden. Wir leben Europa - zwar im Kleinen, aber auf solidem Fundament: verwurzelt in unseren Heimatregionen, offen und respektvoll im Umgang Miteinander und fernab von politischem Kalkül!! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir den kleinen Rest von Skeptikern und Gegnern in Europa und unter Europapolitikern mit unserer Europafreude noch anstecken und begeistern können!
Im Zeitraffer ein paar Fakten aus den 20 Jahren: inzwischen haben 11 Europäische Köhlertreffen stattgefunden; die 12. Ausgabe unseres jährlichen Magazins „Der Köhlerbote“ ist im Werden; das 16. Heft unserer Schriftenreihe mit fachlichen Themen des montanen Verbundes von „Bergbau - Köhlerei - Hüttenwesen“ ist in diesem Jahr zu den chemischen Prozessen der Pyrolyse erschienen; unsere Homepage (seit 2008) wurde im letzten Jahr frisch geliftet und erfreut sich grosser Beliebtheit - vor allem außerhalb der Reihen unserer Mitglieder; im vorigen Jahr konnten wir unser Archiv in Sosa eröffnen. Und ganz nebenbei: aus den 18 Gründungsmitgliedern sind inzwischen etwa 2500 Mitglieder in 11 Ländern geworden, ohne unseren Ägypter als eigenes Land hinzuzuzählen! Und als besonders schönes Geburtstagsgeschenk erreichte mich gestern die Beitrittsankündigung der slowenischen Köhlervereinigung! Der absolute Höhepunkt der 20 Jahre war mit Sicherheit die Aufnahme von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei in das erste bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland im Dezember 2014 (nach den Anerkennungen in Österreich 2011 und der Schweiz 2012), vor allem, weil als Trägergruppe der antragstellende Europäische Köhlerverband ausgezeichnet wurde. Mit dieser Anerkennung wird nicht nur die weitgehende Ignoranz der Geschichtsschreibung für die herausragende Bedeutung unseres Handwerkes in der Kultur- und Technikgeschichte der Menschheit wieder in’s Lot gebracht, sondern auch eine - wenn auch verspätete - Anerkennung für das Lebenswerk von Generationen von Köhlern und Teerschwelern ausgesprochen - eine Ehre, die wir Heutigen zweifellos unverdient geniessen dürfen!
Diese Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe markiert auch einen bedeutsamen Meilenstein für die weitere Entwicklung unseres Verbandes. Denn es öffnet die Perspektive zum einen über die rein technische und funktionale Bedeutung der Köhlerei hinaus auf die Kultur der Köhler und Schweler und zum anderen aus einer rein historischen Bewahrung in eine auf Gegenwart und Zukunft bezogene Dimension! Immaterielles Kulturerbe ist ja kein Museum, sondern lebendige Erinnerungskultur, die sich im tätigen Vollzug weiter entwickelt. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat bei der Auszeichnungsfeier zum immateriellen Kulturerbe am 16.03.2015 in Berlin zu dessen gesellschaftspolitischer Bedeutung einen zentralen Gedanken formuliert, den ich immer wieder gern zitiere:
„Eine Gesellschaft,
die mit ihren kulturellen Eigenheiten ihre eigene Identität und ihr Selbstverständnis pflegt, kann dem Anderen, dem Fremden, dem Unverständlichen Raum geben,
ohne sich dadurch bedroht zu fühlen.
Wo es dagegen keinen kulturellen Kern mehr gibt,
braucht es Feindbilder,
um sich der eigenen Identität zu vergewissern.“
Wahre Worte, fast als wären sie aktuell für die Tage nach dieser Bundestagswahl gesprochen, und so etwas wie das kleine Einmaleins für ein friedliches Zusammenleben im Kleinen wie im Grossen!
Wir müssen uns schon die Frage gefallen lassen, was wir dazu beitragen, unser kulturelles Erbe in diesem Sinne zu praktizieren, und was wir in das Konzert der vielen anderen kulturellen Erbe einbringen.
Damit einher geht die Frage, was denn die identitätsprägenden Kerne, die elementaren Haltungen und die grundlegenden Werte unserer überlieferten Köhlerkultur ausmacht.
Oder ist uns das alles zu anstrengend, und wir begnügen uns mit Holzspalten und Kohlemachen?
Dann sollten wir die Auszeichnung schnellstmöglich zurückgeben!
Für mich stecken in diesen (und weiteren) Fragen zentrale Zukunftsaufgaben des Europäischen Köhlerverbandes, denen wir uns zu stellen haben und in denen wir uns mit Freude und Leidenschaft engagieren werden.
Ein erster, vorläufiger Versuch zur Antwort auf unsere Essentials kam mir kürzlich gänzlich unerwartet entgegen:
Bei der Suche nach Spuren der Köhlerkultur in der Literatur bin ich auf ein Gedicht aus dem Jahr 1803 gestossen, also frei vom Verdacht, etwas in unsere Zeit hinein interpretieren oder unsere Fragen beantworten zu wollen. Der Verfasser ist unbekannt. Es wurde veröffentlicht in „Hamburg und Altona“, einer Zeitschrift zur „Geschichte der Zeit, der Sitten und des Geschmaks“, und trägt den schlichten Titel Köhlerlied:

"Lustig, ihr Köhler! im schaurigen Wald!
Hört, wie der Sturm durch die Tannen verhallt!
Schwarz, wie die Nacht, ist euer Gesicht;
Aber beim Himmel! Das Herz ist es nicht.

Gastfrei und freundlich, und traulich und froh
Theilt ihr den Bissen, das Lager von Stroh;
Weis’t den verirrten Wandrer zurecht,
Haltet Verstellung und Schandthat für schlecht.

Flink nach dem Meiler, ihr Köhler! gesehn,
Daß nur ja keine Löschkohlen entstehn!
Klingend und schwer und stahlblau allein
Müssen die Kohlen des Meilers stets seyn."

Welche Hinweise für unsere Gegenwart und Zukunft können wir aus den wenigen Zeilen herausdestillieren?
Ich will nur zwei Akzente herausgreifen:

Herzlich, freundlich, gastlich, Brot und Lager teilen - wäre es völlig abwegig, diese Attribute auf unseren Umgang miteinander und z.B. auch auf den Umgang mit Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, anzuwenden?

Authentisch, unverstellt, echt - wäre nicht im Konzert der vielen Phrasendrescher und Demagogen, der Schauspieler und Lügenbolde unserer Tage mit dem Lebensmodell „Köhler pur“ eine echte Lücke zu füllen?

In diesem kleinen, unscheinbaren Gedicht stecken in meinen Augen gelebte Maßstäbe unserer Vorfahren, die auch in unseren wirren Zeiten nicht nur uns, sondern auch den ganz vielen Anderen echte Orientierung geben können. In diesen Spuren sollten wir uns bewegen und sie immer weiter und tiefer für unseren Alltag übersetzen - viel zu tun und eine durchaus lohnende Perspektive…
In diesem Sinne
- auf die Gründer von 1997
- auf ein offenes und friedliches Europa
- auf eine gute Zukunft für den Europäischen Köhlerverband
Allzeit GUT BRAND

Karl Josef Tielke, Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V.
(Programmatischer Teil meiner Begrüssungsansprache beim Festabend zum zwanzigjährigen Bestehen des EKV am 30. September 2017 in der Köhlerhütte Fürstenbrunn im Erzgebirge - mit auf dem Foto: Amélie Leflaec, Europäische Köhlerliesel 2017)


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