Europäischer Köhlerverein
Europäischer Köhlerverband e.V. gegründet 1997 in Hasselfelde, Sitz in Eibenstock OT Sosa, Präsident: Karl Josef Tielke, Mail: info@europkoehler.com
  
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Holzkohlemeiler

aktuelle Informationen

Liebe Mitglieder und Freunde des Europäischen Köhlerverbandes!

Auch im bald zu Ende gehenden Jahr 2018 habe ich zusammen mit Teresa wieder einige Köhlertouren unternommen. Und jedesmal ist es eine grosse Freude, alte Bekannte oder unbekannte Neue in ihren jeweiligen lokalen Zusammenhängen zu erleben, beim Heimspiel sozusagen. Die Begrüssung und der weitere Kontakt sind in allen Fällen von einer unübertrefflichen Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit geprägt - unter Köhlern eben! Beim Rückblick auf die Begegnungen dieses Jahres bleiben mir besonders die starke Heimatverbundenheit und das grosse Engagement für die Zukunft der eigenen Heimat in Erinnerung. Das begeistert mich immer wieder und verdient Hochachtung. So gut wie alle sind stolz, gerade dort beheimatet zu sein, wo sie leben. Und damit bewegen sie sich in einem Geist, der unserer Zeit einen markanten Stempel wie eine Signatur aufzudrücken scheint: Heimat und Heimatliebe sind wieder salonfähig geworden bis in die kleine und grosse Politik hinein, wenn ich an all die Heimatministerien und Heimatpflegeprogramme im Bund und in Ländern denke. So viel wie in unseren Tagen ist seit Jahren nicht mehr über Heimat gesprochen und geschrieben worden. Vor ein paar Jahren sah das noch völlig anders aus!
Da könnten wir als Verband, der ein altes Handwerk auf seine Fahnen geschrieben hat, doch vollends zufrieden sein mit diesem neuen (alten) Zeitgeist! Bei allem Respekt vor dieser Entwicklung gilt es doch, das ein oder andere zu präzisieren. Wenn jetzt so viele öffentliche Einflussnehmer auf die Karte Heimat setzen, bleibt manchmal offen, mit welchen Absichten und Interessen sie das tun. Vielleicht ist auch erlaubt nachzufragen, ob Heimatliebe allein ausreicht, um sich in unserer ziemlich zerrissenen und komplizierten Welt zu orientieren und zu bewegen? Bleibt das am Ende vielleicht doch nur ein Rückzug in die Idylle, der andere Zusammenhänge der Wirklichkeit ausblendet? Wenn die Liebe zur eigenen Heimat (gelegentlich noch populistisch befeuert) sogar nur abschätzig auf die anderen und deren Heimat blicken lässt, wachsen die Sorgen um den Zusammenhalt unserer Welt erheblich. Wie könnte ein zukunftsweisendes Verständnis von Heimat aussehen, das sich nicht allein mit sich selbst begnügt?
Eine Erfahrung aus den letzten Wochen legt eine mögliche Spur:
In den ersten Novembertagen konnten wir in den Medien sehen und lesen, dass in Italien fürchterliche Unwetter ganze Landstriche verwüsteten. Dank der Bilder und Kommentare, die unser Köhlerfreund Zeno aus Zoppè di Cadore verbreitete, wurde schnell klar, dass unsere Freunde in Zoppè mitten in dieser Katastrophe steckten. Da wurde mir Angst und Bange, denn noch vor wenigen Jahren hatten wir mit grosser Begeisterung ihre überragende Gastfreundlichkeit bei unserem europäischen Köhlertreffen genossen und uns an ihrer wunderschönen Heimat erfreut. Und dann ist mir plötzlich dieses weit entfernte kleine Bergdorf in den Dolomiten ganz nah; ich fühle mich stark verbunden - so als wäre das auch meine Heimat - Heimatliebe? Während ich darüber nachdenke, wird mir klar, dass ich mich auch einer ganzen Reihe anderer Orte (natürlich Köhlerdörfer!) so nah verbunden fühle. Manchmal sage ich auf der Fahrt dann: „Wenn ich hierher fahre, ist das wie Heimat für mich!“ Und das hat mit den ersten Sätzen dieses Briefes zu tun - mit dem Erleben eurer aller Heinmatliebe! Dieses Erleben lässt in mir immer mehr Respekt vor euren unterschiedlichen Heimaten wachsen, und daraus entsteht noch mehr: Bei all unseren Besuchen und Kontakten finde ich Gefallen an eurer Heimat, erfreue mich an deren Besonderheiten und Eigenheiten, teile eure Freuden und Sorgen. Ganz wie in einem verbundenen Netz, das auch die Heimat der anderen wertschätzt, offen ist für deren Besonderheiten und tolerant mit deren Eigenarten! Ich denke, das eine solche Heimat- und Weltsicht die zwingend nötige Ergänzung zu einer Fixierung auf eine Heimatsicht ist, die nur die eigene Heimat gelten lässt und alles andere als geringer ansieht. Die Mixtur aus Heimatverbundenheit und Heimatoffenheit kann dann zu einem zentralen Baustein für ein friedliches und respektvolles Miteinander zwischen Heimaten, zwischen Kulturen, Völkern und Nationen werden.
Im Miteinander unseres Verbandes können wir das intensiv bei unseren europäischen Begegnungen erleben. Wir sind ja so etwas wie ein Netzwerk von Köhlerheimaten in Europa. Der deutsche Dichter Hermann Hesse hat eine solche Sicht in einem Satz treffend beschrieben: „Wo befreundete Wege zusammenlaufen, da sieht die ganze Welt für eine Stunde wie Heimat aus“. Gönnen wir uns die ein oder andere Stunde solcher Heimat! Nicht nur in diesen weihnachtlichen Tagen, sondern auch im kommenden Jahr und weiter…
Wenn wir sagen und leben können: „Meine Heimat - Deine Heimat - Unsere Heimat(en)“, wäre das eine solide und zukunftsweisende Perspektive für unseren Köhlerverband in einem vereinten Europa und in einer bewegten Welt. Unter einer solchen Leitidee möchte ich gern mithelfen, unser aller Heimat(en) unter dem Dach des EKV zusammenzubringen und zusammenzuhalten!
Liebe Köhlerfreunde!
In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr 2019, in dem ich mich wieder auf echte Begegnungen mit euch und ganz besonders auf unser 12. Europäisches Köhlertreffen vom 22. - 25. August in zwei meiner Köhlerheimaten Hardehausen und Giershagen freue…

Allzeit GUT BRAND
Karl Josef Tielke
- Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V. -
Die MItgliederversammlung des Europäischen Köhlerverbandes e.V. in Lembach (Frankreich) hat am 28. Juli 2017 einstimmig beschlossen, das 12. Europäische Köhlertreffen vom 22. - 25. August 2019 in Hardehausen (Hansestadt Warburg) und Giershagen (Stadt Marsberg) durchzuführen. Die Einladung zu diesem Treffen wird mit der Weihnachtspost 2018 verschickt. Inzwischen haben die Gruppen und Vereine eine Zusammenstellung möglicher Unterkünfte erhalten. Die ersten Gruppen haben schon Hotels gebucht. Auch die Programmschwerpunkte der einzelnen Tage sind fixiert. Beim Begrüssungsabend im Festzelt in Hardehausen wird neben dem Schirmherrn, dem Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, auch der heilige Köhler Alexander Carbonarius auf besondere Weise unter den Gästen weilen. Der Freitag findet komplett in Giershagen statt, die Mitgliederversammlung schon am Vormittag, für Gäste in dieser Zeit eine Rundfahrt im Sauerland. Nachmittag werden Spuren der Bergbaugeschichte in und um Giershagen erkundet. Am Abend wird der Meiler der 3. Giershagener Meilerwoche angesteckt, die neue europäische Köhlerliesel vorgestellt und ein musikalischer Abend quer durch Europa gefeiert. Der Samstag führt uns nach Paderborn, wo ein Empfang durch das Erzbistum und die Stadt Paderborn ansteht. Danach bleibt Zeit für einen Stadtbummel und Führungen durch den Dom, das Diözesanmuseum, die ottonische Kaiserpfalz und das weltweit grösste Computermuseum. Am Abend dann im Festzelt in Hardehausen der Abschlussabend mit Köhlergeselligkeit, alter Musik und westfälischem Buffet. Vor der Abreise am Sonntag besteht noch die Möglichkeit zu einer Stippvisite am Giershagener Meiler. Die gastgebenden "Köhlerfreunde der Zisterzienser von Hardehausen" und der Förderverein "Unser Giershagen" laden mit dem Europäischen Köhlerverband ein, Kultur und Landschaft, Köhlerei- und Bergbaugeschichte des Warburger Landes und des östlichen Sauerlandes kennenzulernen und die europäische Köhlerkultur nach allen Regeln der Kunst zu leben...
Mit diesem Titel ist im Dezember eine kleine Schrift von Ulrike Lemmel auf den Markt gekommen, die wir hier gern empfehlen wollen. In locker aufgemachten Dialogen wird besonders für jüngere Leseratten (aber durchaus auch im gehobenen Alter gut verträglich!) Wissenswertes zur Holzkohle, zur geschichtlichen Entwicklung der Köhlerei und zum Alltag der Köhler lebendig und anschaulich dargeboten. Zahlreiche Fotos illustrieren die dargestellten Themen. Das Ganze ist schon eine Art kleines Einmaleins der Köhlerei und macht neugierig darauf, mehr darüber zu entdecken.
Erhältlich in der Harzköhlerei Stemberghaus unter stemberghaus@harzkoehelrei.de zum Preis von 7,50 EURO plus Porto.
Wer zum EKV gehört, zeigt das auch gern öffentlich - deshalb gibt es EKV- Poloshirts, Aufnäher, Aufkleber, Halstücher, Flyer, deren Erscheinungsbild von Zeit zu Zeit renoviert wird. Nach der Namensänderung zum „Europäischen Köhlerverband“ im Jahr 2017 wurden einige der Erkennungszeichen entsprechend neu gestaltet. Poloshirts mit dem gestickten Schriftzug „Europäischer Köhlerverband“ auf der Vorderseite, „Gut Brand“ auf dem Ärmel und einem aufgestickten Meiler auf der Rückseite können zum Preis von 30,00 € zzgl. Versandkosten über Heinz Sprengel, Karl-Liebknecht-Str. 11, 08289 Schneeberg, 0049 3772 326576, Heinz.Sprengel@t-online.de bezogen werden. Dort gibt es auch noch die beliebten roten Dreiecks-Halstücher aus solidem Stoff mit aufgesticktem "GUT BRAND" in den Maßen 100/68/68 cm zum Preis von 12,00 € pro Stück zzgl. Versandkosten und Aufnäher mit dem eingestickten Logo des EKV mit dem Durchmesser von etwa 9,5 cm zum Preis von 5,50 € pro Stück (ab 10 Stück 5,00€) zzgl. Versandkosten.
Flyer und Aufkleber gibt es in begrenzter Stückzahl kostenlos bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen oder über info@europkoehler.com
Noch bis in den Januar 2019 ist mit der grossen Archäologie-Ausstellung Ausstellung "Bewegte Zeiten" im Berliner Gropius-Bau der letzte grosse Höhepunkt des europäischen Kulturerbejahres "Sharing heritage" geöffnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist Schirmherr der Ausstellung und des gesamten Kulturerbejahres. Das Motto dieses Jahres interpretierte er in einer Art Kurzformel so: "das gemeinsame Erbe miteinander teilen und sich so dieses gemeinsamen Erbes bewusst werden. Europa ist der Kontinent der ständigen Erneuerung, nicht obwohl, sondern weil er auch der Kontinent der Erinnerung, des historischen Bewusstseins ist." Das deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz fordert in seinem Berliner Appell "Kulturerbe ist die Zukunft Europas" u.a. "In einer Welt der Umbrüche und der Verunsicherung muss sich die Europäische Union mehr denn je ihres gemeinsamen Kulturerbes bewusst werden... Kulturerbe ist zugleich Vergangenheit und Zukunft wie auch die gemeinsame Klammer europäischer Identität." Der Europäische Köhlerverband e.V. sieht seine Aktivitäten in genau dieser Perspektive. In der Pflege und Überlieferung des Köhlerhandwerkes und der Teerschwelerei geht es uns nicht allein um Handwerk und Technik, sondern ebenso um die damit verbundenen kulturellen und sozialen Tradtionen und Werte mit all ihren regionalen Ausprägungen im Horizont der Geschichte und Zukunft eines vereinten Europas.
Dass die Holzkohle, die wir Köhler auf traditionelle Weise brennen, zu weitaus bedeutsameren Zwecken als zum Grillen gedient hat, erzählen wir in der Regel in der Art einer historischen Rückschau auf die Hochzeiten der Köhlerei. So war es für mich ein Glücksfall in der Gegenwart, dass ich jetzt am Projekt eines Glockengusses nach einer mittelalterlichen Rezeptur beteiligt war. Am 28. Juli 2018 wurde im Rahmen des Paderborner Domjubiläums für die Bartolomäuskapelle eine sogenannte Bienenkorbglocke nach Theophilus Presbyter gegossen. Die Bronze dazu wurde in einem aus Lehm gebauten Brennofen mit unserer traditionell gebrannten Holzkohle geschmolzen. Die dazu notwendige Temperatur von mehr als 1000° Celsius lässt sich ohne Zuhilfenahme moderner Technik nur mit Holzkohle erreichen. Das Zusammenspiel mit Glockengiesser Dr. Bastian Asmus (www.archaeometallurgie.de) und seinen Mitarbeitern war für mich eine lebendige Zeitreise in die Zeit des frühen montanen Verbundes von Bergbau, Köhlerei und Hüttenwesen. Das war schon ein Köhlertraum, und für das Brennen dieser Kohlen hatten jeder Schweisstropfen und jede Nachtwache einen doppelten Wert; das war der edelste Zweck für den ich jemals Kohlen gebrannt habe!!! (Karl Josef Tielke, Foto: Teresa Tielke, weitere Fotos in der Rubrik "Filme&Fotos")
2o Jahre Europäischer Köhlerverband, eigentlich eine zu kleine Zahl, um schon gross zu feiern! Auf der anderen Seite eine schöne Gelegenheit, innezuhalten und die rasante Entwicklung seit 1997 zu würdigen.
Am 03. Oktober 1997 kamen im Stemberghaus in Hasselfelde/Harz zahlreiche Köhlerfreunde zusammen, um zuallererst die Eröffnung des ersten deutschen Köhlereimuseums zu feiern. 18 von ihnen hatten noch anderes im Sinn: sie beschlossen förmlich, den Europäischen Köhlerverein zu gründen. Überraschend vielleicht: der 03. Oktober war ja schon damals Tag der deutschen Einheit, und dennoch wurde ein europäischer Verband gegründet! Ich halte diese Tatsache nach wie vor für eine visionäre Entscheidung, die unseren Verband - so wie den wehenden Meilerduft - nicht eng national begrenzt, sondern in einen weiten grenzüberschreitenden Horizont gestellt hat. Und wer von uns erinnert sich nicht mit Freude und manchmal feuchten Augen an die beglückenden Begegnungen mit den europäischen Nachbarn, an das Erleben und Geniessen der anderen Kulturen, auch wenn der erste Schritt manchmal Überwindung gekostet hat? Besonders die europäischen Köhlertreffen (Vertreter der Ausrichter aus Österreich, aus Italien, der Schweiz und aus Frankreich sind unter uns) haben Verbindungen zu Freundschaften wachsen lassen, die Sprachprobleme bedeutungslos machen und auch durch schlechte Nachrichten aus Politik und Finanzwelt nicht erschüttert werden. Wir leben Europa - zwar im Kleinen, aber auf solidem Fundament: verwurzelt in unseren Heimatregionen, offen und respektvoll im Umgang Miteinander und fernab von politischem Kalkül!! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir den kleinen Rest von Skeptikern und Gegnern in Europa und unter Europapolitikern mit unserer Europafreude noch anstecken und begeistern können!
Im Zeitraffer ein paar Fakten aus den 20 Jahren: inzwischen haben 11 Europäische Köhlertreffen stattgefunden; die 12. Ausgabe unseres jährlichen Magazins „Der Köhlerbote“ ist im Werden; das 16. Heft unserer Schriftenreihe mit fachlichen Themen des montanen Verbundes von „Bergbau - Köhlerei - Hüttenwesen“ ist in diesem Jahr zu den chemischen Prozessen der Pyrolyse erschienen; unsere Homepage (seit 2008) wurde im letzten Jahr frisch geliftet und erfreut sich grosser Beliebtheit - vor allem außerhalb der Reihen unserer Mitglieder; im vorigen Jahr konnten wir unser Archiv in Sosa eröffnen. Und ganz nebenbei: aus den 18 Gründungsmitgliedern sind inzwischen etwa 2500 Mitglieder in 11 Ländern geworden, ohne unseren Ägypter als eigenes Land hinzuzuzählen! Und als besonders schönes Geburtstagsgeschenk erreichte mich gestern die Beitrittsankündigung der slowenischen Köhlervereinigung! Der absolute Höhepunkt der 20 Jahre war mit Sicherheit die Aufnahme von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei in das erste bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland im Dezember 2014 (nach den Anerkennungen in Österreich 2011 und der Schweiz 2012), vor allem, weil als Trägergruppe der antragstellende Europäische Köhlerverband ausgezeichnet wurde. Mit dieser Anerkennung wird nicht nur die weitgehende Ignoranz der Geschichtsschreibung für die herausragende Bedeutung unseres Handwerkes in der Kultur- und Technikgeschichte der Menschheit wieder in’s Lot gebracht, sondern auch eine - wenn auch verspätete - Anerkennung für das Lebenswerk von Generationen von Köhlern und Teerschwelern ausgesprochen - eine Ehre, die wir Heutigen zweifellos unverdient geniessen dürfen!
Diese Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe markiert auch einen bedeutsamen Meilenstein für die weitere Entwicklung unseres Verbandes. Denn es öffnet die Perspektive zum einen über die rein technische und funktionale Bedeutung der Köhlerei hinaus auf die Kultur der Köhler und Schweler und zum anderen aus einer rein historischen Bewahrung in eine auf Gegenwart und Zukunft bezogene Dimension! Immaterielles Kulturerbe ist ja kein Museum, sondern lebendige Erinnerungskultur, die sich im tätigen Vollzug weiter entwickelt. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat bei der Auszeichnungsfeier zum immateriellen Kulturerbe am 16.03.2015 in Berlin zu dessen gesellschaftspolitischer Bedeutung einen zentralen Gedanken formuliert, den ich immer wieder gern zitiere:
„Eine Gesellschaft,
die mit ihren kulturellen Eigenheiten ihre eigene Identität und ihr Selbstverständnis pflegt, kann dem Anderen, dem Fremden, dem Unverständlichen Raum geben,
ohne sich dadurch bedroht zu fühlen.
Wo es dagegen keinen kulturellen Kern mehr gibt,
braucht es Feindbilder,
um sich der eigenen Identität zu vergewissern.“
Wahre Worte, fast als wären sie aktuell für die Tage nach dieser Bundestagswahl gesprochen, und so etwas wie das kleine Einmaleins für ein friedliches Zusammenleben im Kleinen wie im Grossen!
Wir müssen uns schon die Frage gefallen lassen, was wir dazu beitragen, unser kulturelles Erbe in diesem Sinne zu praktizieren, und was wir in das Konzert der vielen anderen kulturellen Erbe einbringen.
Damit einher geht die Frage, was denn die identitätsprägenden Kerne, die elementaren Haltungen und die grundlegenden Werte unserer überlieferten Köhlerkultur ausmacht.
Oder ist uns das alles zu anstrengend, und wir begnügen uns mit Holzspalten und Kohlemachen?
Dann sollten wir die Auszeichnung schnellstmöglich zurückgeben!
Für mich stecken in diesen (und weiteren) Fragen zentrale Zukunftsaufgaben des Europäischen Köhlerverbandes, denen wir uns zu stellen haben und in denen wir uns mit Freude und Leidenschaft engagieren werden.
Ein erster, vorläufiger Versuch zur Antwort auf unsere Essentials kam mir kürzlich gänzlich unerwartet entgegen:
Bei der Suche nach Spuren der Köhlerkultur in der Literatur bin ich auf ein Gedicht aus dem Jahr 1803 gestossen, also frei vom Verdacht, etwas in unsere Zeit hinein interpretieren oder unsere Fragen beantworten zu wollen. Der Verfasser ist unbekannt. Es wurde veröffentlicht in „Hamburg und Altona“, einer Zeitschrift zur „Geschichte der Zeit, der Sitten und des Geschmaks“, und trägt den schlichten Titel Köhlerlied:

"Lustig, ihr Köhler! im schaurigen Wald!
Hört, wie der Sturm durch die Tannen verhallt!
Schwarz, wie die Nacht, ist euer Gesicht;
Aber beim Himmel! Das Herz ist es nicht.

Gastfrei und freundlich, und traulich und froh
Theilt ihr den Bissen, das Lager von Stroh;
Weis’t den verirrten Wandrer zurecht,
Haltet Verstellung und Schandthat für schlecht.

Flink nach dem Meiler, ihr Köhler! gesehn,
Daß nur ja keine Löschkohlen entstehn!
Klingend und schwer und stahlblau allein
Müssen die Kohlen des Meilers stets seyn."

Welche Hinweise für unsere Gegenwart und Zukunft können wir aus den wenigen Zeilen herausdestillieren?
Ich will nur zwei Akzente herausgreifen:

Herzlich, freundlich, gastlich, Brot und Lager teilen - wäre es völlig abwegig, diese Attribute auf unseren Umgang miteinander und z.B. auch auf den Umgang mit Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, anzuwenden?

Authentisch, unverstellt, echt - wäre nicht im Konzert der vielen Phrasendrescher und Demagogen, der Schauspieler und Lügenbolde unserer Tage mit dem Lebensmodell „Köhler pur“ eine echte Lücke zu füllen?

In diesem kleinen, unscheinbaren Gedicht stecken in meinen Augen gelebte Maßstäbe unserer Vorfahren, die auch in unseren wirren Zeiten nicht nur uns, sondern auch den ganz vielen Anderen echte Orientierung geben können. In diesen Spuren sollten wir uns bewegen und sie immer weiter und tiefer für unseren Alltag übersetzen - viel zu tun und eine durchaus lohnende Perspektive…
In diesem Sinne
- auf die Gründer von 1997
- auf ein offenes und friedliches Europa
- auf eine gute Zukunft für den Europäischen Köhlerverband
Allzeit GUT BRAND

Karl Josef Tielke, Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V.
(Programmatischer Teil meiner Begrüssungsansprache beim Festabend zum zwanzigjährigen Bestehen des EKV am 30. September 2017 in der Köhlerhütte Fürstenbrunn im Erzgebirge - mit auf dem Foto: Amélie Leflaec, Europäische Köhlerliesel 2017)
Die 21. Präsidiumssitzung des EKV fand vom 04. - 06. Mai 2018 im oberbayrischen Bad Kohlgrub statt. Die anwesenden Präsidiumsmitglieder kamen in diesem Jahr aus 6 Nationen - echt europäisch eben. Zum Eröffnungsabend der Präsidiumssitzung konnte Stefan Mayr, der Vorsitzende der gastgebenden Köhlerfreunde Bad Kohlgrub, auch Gäste aus Kommunal- und Landespolitik sowie Tourismus begrüssen. Im Verlauf dieses Abends zeichnete der Präsident des EKV Karl Josef Tielke den Bad Kohlgruber Tim Mauri für seinen besonderen Einsatz mit einer Urkunde als Jungköhler aus. Neben aktuellen Berichten standen der Rückblick auf das 11. Europäische Köhlertreffen 2017 in Lembach (Frankreich) und den 20. Geburtstag des EKV 2017 im Erzgebirge sowie der Ausblick auf das 12. Europäische Köhlertreffen 2019 in den beiden westfälischen Orten Hardehausen und Giershagen auf der Tagesordnung. Eine intensive und argumentative Aussprache stellte die Frage in den Mittelpunkt, welche Konsequenzen die Auszeichnung von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei als immaterielles Kulturerbe für die aktive Ausübung unseres Handwerkes und die angewandten Techniken, Arbeitsmittel habe. Dabei bestand Einvernehmen, dass Kultur und Haltungen der Köhlervorfahren ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung und Überlieferung sein sollen. Einen lebendigen Einblick in die vielfach vom Wald geprägte Geschichte und Kultur Bayerns konnten die Präsidiumsmitglieder beim Besuch der Bayrischen Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern“ im Kloster Ettal bekommen. Im Begleitprogramm dieser Landesaustellung werden die Bad Kohlgruber Köhler vom 13. - 20. Juni 2018 dort mit einem Meiler das alte Köhlerhandwerk präsentieren. In den guten Begegnungen und Beratungen zeigte sich erneut, wie prägend der europäische Gedanke im EKV lebt! Mit grossem Köhlerdank an die herzlichen Gastgeber der Köhlerfreunde Bad Kohlgrub endeten die Tage in Bayern. (Fotos (auch in der Rubrik „Bildergalerie“: Ursula Kopshoff und Teresa Tielke)
Der 20. Geburtstag des EKV wurde mit einer Kette von Höhepunkten begangen: Empfang durch Bürgermeister Uwe Staab im Rathhaus Eibenstock; Begegnungsabend in der im Aufbau befindlichen Schauköhlerei in Sosa; Fachsymposium zur Köhlereigeschichte und zum frühen montanen Verbund "Bergbau, Köhlerei und Hüttenwesen" in ausgewählten Regionen; Exkursion in die Montanregion Erzgebirge mit Stationen in der zum Erntedank festlich geschmückten Kirche in Sosa, in Annaberg-Buchholz und im "Frohnauer Hammer"; Begrüssung an der Köhlerhütte Fürstenbrunn durch "Köhler Schmidt"; Festabend mit Reden und Grussworten (Präsident Karl Josef Tielke, Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel, Bürgermeister Uwe Staab und der Sosaer Ortsvorsteher Tobias Unger, Repräsentanten der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine: Kurt Wardenga, Vorsitzender des Bundesverbandes und Vizepräsident der Europäischen Vereinigung, Vertreter des Landesverbandes Sachsen), einer Talkrunde zu den Anfängen des EKV, leckerem Essen von Heiko Schmidt, Musik der Sosaer Köhlermusikanten und am Ende Köhler und Bergleute verbunden durch das rote Köhlertuch... Auf dem Foto überreichen Zeno und Merino von unseren Köhlerfreunden aus Zoppè eine vom Holzkünstler Merino Mattiuzzi eigens angefertigte Holzplakette mit den Austragungsorten der bisherigen europäischen Köhlertreffen. Weitere Fotos von Marion und Reinhard Schandelle und Teresa Tielke in der Fotogalerie.
Beim 10. Europäischen Köhlertreffen in Neukirchen konnte ein neues Produkt des EKV vorgestelltwerden: das KÖHLERSPIEL! In der Art der bekannten Leiterspiele lässt sich mit diesem Würfelspiel die Arbeit eines Köhlers vom Aufbau des Meilers über das Verschwelen bis zum Ernten der Holzkohle verfolgen. Eine geniale Möglichkeit, wie Kinder einen spielerischen Zugang zum Köhlerhandwerk bekommen können - am besten, wenn Eltern oder Grosseltern mit ihnen spielen und dabei noch Erinnerungen und Erlebnisse einfliessen lassen! Dank der grosszügigen Unterstützung der BIAG (Barbecue Industry Association Grill e.V.) können wir das Spielfeld zum Stückpreis von 2,50 € zzgl. Versandkosten anbieten. Wer gleich 5 Expl. bestellte, zahlt dafür lediglich 10,00 € zzgl. Versandkosten. Bestellungen bei: Europäischer Köhlerverein e.V., Hauptstr. 28, 08309 Eibenstock oder bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen (info@europkoehler.com).


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