Europäischer Köhlerverein
Europäischer Köhlerverband e.V. gegründet 1997 in Hasselfelde, Sitz in Eibenstock OT Sosa, Präsident: Karl Josef Tielke, Mail: info@europkoehler.com
  
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Holzkohlemeiler

aktuelle Informationen

Wenn im Winter die Meiler ruhen, bleibt an langen Abenden Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, z.B. sich in die Fachliteratur zur Köhlerei einzugraben. Ich habe die Wintermonate genutzt, um im Internet die inzwischen überwiegend digitalisierten alten Fachbücher rund um die Köhlerei aufzuspüren und systematisch zu sortieren. Im frühen Frühjahr habe ich die Ergebnisse dieser Literaturrecherche verschiedenen Zeitepochen zugeordnet und kommentiert. Herausgekommen ist dann "Eine kleine Geschichte der Fachliteratur zur Meilerköhlerei von den Anfängen bis in's 19. Jahrhundert", die ab sofort in der Rubrik "Grundlagen/Literatur" zugänglich ist. Ich hoffe, dass der Text ein kleiner Baustein in unserem grossen Anliegen sein kann, nicht nur aktuelle Köhlereithemen, sondern auch Geschichte und Grundlagen des Köhlerhandwerkes lebendig zu überliefern. (Karl Josef Tielke)
Vom 03. - 05. Mai 2019 kam das Präsidium des Europäischen Köhlerverbandes e.V. zu seiner 22. Sitzung in Baiersbronn zusammen. Präsidiumsmitglied Thomas Faißt hatte in die traditionsreiche Köhlerregion des Nordschwarzwaldes eingeladen und für den ersten Abend mit Dr. Bernd Görlach (Tübingen) einen ausgewiesenen Experten zu einem Referat über Bedeutung und Einsatz von Pflanzenkohle insbesondere in der Landwirtschaft gewinnen können. So konnten sich die Köhler über einen weiteren „nahen Verwandten“ im Dienst an einer gesünderen Zukunft kundig machen. Themen der Präsidiumssitzung waren u.a. das 12. Europäische Köhlertreffen im August, die Veranstaltungsplanungen bis zum 25-jährigen Bestehen des EKV im Jahr 2022, neue Erkenntnisse zur Geschichte der Köhlerei, Fragen der Sicherheit und des Arbeitsschutzes am Meiler und die möglichen Perspektiven von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei als immaterielles Kulturerbe. Bei Besuchen im Wilhelm-Hauff-Museum (Die Köhlererzählung„Das kalte Herz“ hat ihren Ursprung in Baiersbronn!) und im Kulturpark Glashütte Buhlbach wurde die Wald- und Waldgewerbetradition dieser Region eindrucksvoll erlebbar. Merino Mattiuzzi aus dem Dolomitendorf Zoppè di Cadore stellte mit bewegenden Worten und bedrückenden Bildern die Verwüstungen durch die Sturm- und Unwetterkatastrophe vom November 2018 in ihrer Heimat vor. Zum festlichen Abschlussabend im Nationalparkstüble des Hotels Tanne in Tonbach waren auch Landrat Rückert, der Chef der Klosterbrauerei Alpirsbach und Vertreter der Tourismusregion gekommen. In ihren Grussworten stellten sie kreative Bezüge zwischen Begriffen der Köhlerei und technologischen Begriffen unserer Zeit her und betonten die Bedeutung der europäischen Kultur und Zusammenarbeit. EKV-Präsident Karl Josef Tielke dankte Thomas Faißt und seinen Helferinnen und Helfern für ihre herzliche Gastfreundschaft und vorzügliche Vorbereitung des Treffens. Mit einem Zitat von Christoff Weigel aus einer Publikation von 1698 im Kontext der aufkommenden Enzyklopädien zur zentralen Bedeutung der Holzkohle schloss er den offiziellen Teil: „Wo würde der Welt grössester Reichthum/Gold und Silber bleiben/wo das Kupffer/Zien/Eisen/Bley und Quecksilber hergenommen/von dem kießigsten Quartz und Berg-Steinen abgesondert/und zu allgemeinem Nutzen gereiniget werden/wo nicht die Glut der angefeuerten Kohlen hierzu das beste thäte/und das/was durch der Flammen Hitze verbrennet und zernichtet würde/entdeckte und belebete.“ (Fotos, auch in der Rubrik „Bildergalerie“: Teresa Tielke)
Die Anmeldungen für das 12. Europäische Köhlertreffen vom 22. - 25. August 2019 in Hardehausen und Giershagen sind im wesentlichen abgeschlossen. Mehr als 300 Köhlerfreunde aus 8 europäischen Ländern werden die Tage miteinander gestalten. Beim Begrüssungsabend am Donnerstag im Festzelt in Hardehausen wird neben dem Schirmherrn, dem Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, auch der heilige Köhler Alexander Carbonarius auf besondere Weise unter den Gästen weilen. Der Freitag findet komplett in Giershagen statt, die Mitgliederversammlung schon am Vormittag, für Gäste in dieser Zeit eine Rundfahrt im Sauerland. Nachmittag werden Spuren der Bergbaugeschichte in und um Giershagen erkundet. Am Abend wird der Meiler der 3. Giershagener Meilerwoche angesteckt, die neue europäische Köhlerliesel vorgestellt und eine musikalische Reise durch Europa gefeiert. Der Samstag führt nach Paderborn, wo ein Empfang durch das Erzbistum und die Stadt Paderborn ansteht. Anschliessend besteht die Möglichkeit, an der Weihe einer mit handgemachter Kohle aus dem EKV in mittelalterlicher Manier gegossenen Bronzeglocke teilzunehmen (siehe: "Historischer Glockenguss mit Holzkohle" auf dieser Seite). Danach bleibt Zeit für einen Stadtbummel oder Führungen durch den Dom, die ottonische Kaiserpfalz und das weltweit grösste Computermuseum. Am Abend dann im Festzelt in Hardehausen der Abschlussabend mit Köhlergeselligkeit, alter Musik und westfälischem Buffet. Vor der Abreise am Sonntag besteht noch die Möglichkeit zu einer Stippvisite am Giershagener Meiler. Die gastgebenden "Köhlerfreunde der Zisterzienser von Hardehausen" und der Förderverein "Unser Giershagen" laden mit dem Europäischen Köhlerverband ein, Kultur und Landschaft, Köhlerei- und Bergbaugeschichte des Warburger Landes und des östlichen Sauerlandes kennenzulernen und die europäische Köhlerkultur nach allen Regeln der Kunst zu leben.
Jetzt geht es wieder los mit der Köhlerei!!! Die Köhlerfreunde in Neukirchen (Oberbayern) konnten es gar nicht abwarten und haben schon einen Meiler aufgeschichtet - umgeben von hohen Schneebergen (gut zu sehen bei facebook unter Köhlerverein Neukirchen e.V.). Angezündet haben sie Ihren Wintermeiler schon am 17. Februar. Auf www.europkoehler.com wächst derweil unsere Liste der Meilertermine des laufenden Jahres von Tag zu Tag. Wer seinen Meilertermin darunter vermisst, ist herzlich eingeladen, diesen für die Veröffentlichung mitzuteilen (info@europkoehler.com)... Bei den Meilerwochen gibt es auch in diesem Jahr auffällig viele Meiler mit jungen Leuten (Kindermeiler/Schülermeiler..) und Kooperationen mit Freilichtmuseen. Auch einige Ortsjubiläen werden wieder mit einem Meiler gekrönt. Reichlich Gelegenheiten also, unser traditionsreiches Handwerk auch in diesem Jahr live, in Farbe und mit seinem unvergleichlichen Duft zu erleben. Dieses immaterielle Kulturerbe lebt!!! Allen Besuchern ein herzliches Willkommen, allen Köhlerinnen und Köhlern ein gutes Gelingen am Meiler und ein kräftiges GUT BRAND… (Foto: Jochen Tack, Essen)
Mit diesem Titel ist im Dezember eine kleine Schrift von Ulrike Lemmel auf den Markt gekommen, die wir hier gern empfehlen wollen. In locker aufgemachten Dialogen wird besonders für jüngere Leseratten (aber durchaus auch im gehobenen Alter gut verträglich!) Wissenswertes zur Holzkohle, zur geschichtlichen Entwicklung der Köhlerei und zum Alltag der Köhler lebendig und anschaulich dargeboten. Zahlreiche Fotos illustrieren die dargestellten Themen. Das Ganze ist schon eine Art kleines Einmaleins der Köhlerei und macht neugierig darauf, mehr darüber zu entdecken.
Erhältlich in der Harzköhlerei Stemberghaus unter stemberghaus@harzkoehelrei.de zum Preis von 7,50 EURO plus Porto.
Wer zum EKV gehört, zeigt das auch gern öffentlich - deshalb gibt es EKV- Poloshirts, Aufnäher, Aufkleber, Halstücher, Flyer, deren Erscheinungsbild von Zeit zu Zeit renoviert wird. Nach der Namensänderung zum „Europäischen Köhlerverband“ im Jahr 2017 wurden einige der Erkennungszeichen entsprechend neu gestaltet. Poloshirts mit dem gestickten Schriftzug „Europäischer Köhlerverband“ auf der Vorderseite, „Gut Brand“ auf dem Ärmel und einem aufgestickten Meiler auf der Rückseite können zum Preis von 30,00 € zzgl. Versandkosten über Heinz Sprengel, Karl-Liebknecht-Str. 11, 08289 Schneeberg, 0049 3772 326576, Heinz.Sprengel@t-online.de bezogen werden. Dort gibt es auch noch die beliebten roten Dreiecks-Halstücher aus solidem Stoff mit aufgesticktem "GUT BRAND" in den Maßen 100/68/68 cm zum Preis von 12,00 € pro Stück zzgl. Versandkosten und Aufnäher mit dem eingestickten Logo des EKV mit dem Durchmesser von etwa 9,5 cm zum Preis von 5,50 € pro Stück (ab 10 Stück 5,00€) zzgl. Versandkosten.
Flyer und Aufkleber gibt es in begrenzter Stückzahl kostenlos bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen oder über info@europkoehler.com
Beim 10. Europäischen Köhlertreffen in Neukirchen konnte ein neues Produkt des EKV vorgestelltwerden: das KÖHLERSPIEL! In der Art der bekannten Leiterspiele lässt sich mit diesem Würfelspiel die Arbeit eines Köhlers vom Aufbau des Meilers über das Verschwelen bis zum Ernten der Holzkohle verfolgen. Eine geniale Möglichkeit, wie Kinder einen spielerischen Zugang zum Köhlerhandwerk bekommen können - am besten, wenn Eltern oder Grosseltern mit ihnen spielen und dabei noch Erinnerungen und Erlebnisse einfliessen lassen! Dank der grosszügigen Unterstützung der BIAG (Barbecue Industry Association Grill e.V.) können wir das Spielfeld zum Stückpreis von 2,50 € zzgl. Versandkosten anbieten. Wer gleich 5 Expl. bestellte, zahlt dafür lediglich 10,00 € zzgl. Versandkosten. Bestellungen bei: Europäischer Köhlerverein e.V., Hauptstr. 28, 08309 Eibenstock oder bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen (info@europkoehler.com).
Dass die Holzkohle, die wir Köhler auf traditionelle Weise brennen, zu weitaus bedeutsameren Zwecken als zum Grillen gedient hat, erzählen wir in der Regel in der Art einer historischen Rückschau auf die Hochzeiten der Köhlerei. So war es für mich ein Glücksfall in der Gegenwart, dass ich jetzt am Projekt eines Glockengusses nach einer mittelalterlichen Rezeptur beteiligt war. Am 28. Juli 2018 wurde im Rahmen des Paderborner Domjubiläums für die Bartolomäuskapelle eine sogenannte Bienenkorbglocke nach Theophilus Presbyter gegossen. Die Bronze dazu wurde in einem aus Lehm gebauten Brennofen mit unserer traditionell gebrannten Holzkohle geschmolzen. Die dazu notwendige Temperatur von mehr als 1000° Celsius lässt sich ohne Zuhilfenahme moderner Technik nur mit Holzkohle erreichen. Das Zusammenspiel mit Glockengiesser Dr. Bastian Asmus (www.archaeometallurgie.de) und seinen Mitarbeitern war für mich eine lebendige Zeitreise in die Zeit des frühen montanen Verbundes von Bergbau, Köhlerei und Hüttenwesen. Das war schon ein Köhlertraum, und für das Brennen dieser Kohlen hatten jeder Schweisstropfen und jede Nachtwache einen doppelten Wert; das war der edelste Zweck für den ich jemals Kohlen gebrannt habe!!! (Karl Josef Tielke, Foto: Teresa Tielke, weitere Fotos in der Rubrik "Filme&Fotos")
2o Jahre Europäischer Köhlerverband, eigentlich eine zu kleine Zahl, um schon gross zu feiern! Auf der anderen Seite eine schöne Gelegenheit, innezuhalten und die rasante Entwicklung seit 1997 zu würdigen.
Am 03. Oktober 1997 kamen im Stemberghaus in Hasselfelde/Harz zahlreiche Köhlerfreunde zusammen, um zuallererst die Eröffnung des ersten deutschen Köhlereimuseums zu feiern. 18 von ihnen hatten noch anderes im Sinn: sie beschlossen förmlich, den Europäischen Köhlerverein zu gründen. Überraschend vielleicht: der 03. Oktober war ja schon damals Tag der deutschen Einheit, und dennoch wurde ein europäischer Verband gegründet! Ich halte diese Tatsache nach wie vor für eine visionäre Entscheidung, die unseren Verband - so wie den wehenden Meilerduft - nicht eng national begrenzt, sondern in einen weiten grenzüberschreitenden Horizont gestellt hat. Und wer von uns erinnert sich nicht mit Freude und manchmal feuchten Augen an die beglückenden Begegnungen mit den europäischen Nachbarn, an das Erleben und Geniessen der anderen Kulturen, auch wenn der erste Schritt manchmal Überwindung gekostet hat? Besonders die europäischen Köhlertreffen (Vertreter der Ausrichter aus Österreich, aus Italien, der Schweiz und aus Frankreich sind unter uns) haben Verbindungen zu Freundschaften wachsen lassen, die Sprachprobleme bedeutungslos machen und auch durch schlechte Nachrichten aus Politik und Finanzwelt nicht erschüttert werden. Wir leben Europa - zwar im Kleinen, aber auf solidem Fundament: verwurzelt in unseren Heimatregionen, offen und respektvoll im Umgang Miteinander und fernab von politischem Kalkül!! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir den kleinen Rest von Skeptikern und Gegnern in Europa und unter Europapolitikern mit unserer Europafreude noch anstecken und begeistern können!
Im Zeitraffer ein paar Fakten aus den 20 Jahren: inzwischen haben 11 Europäische Köhlertreffen stattgefunden; die 12. Ausgabe unseres jährlichen Magazins „Der Köhlerbote“ ist im Werden; das 16. Heft unserer Schriftenreihe mit fachlichen Themen des montanen Verbundes von „Bergbau - Köhlerei - Hüttenwesen“ ist in diesem Jahr zu den chemischen Prozessen der Pyrolyse erschienen; unsere Homepage (seit 2008) wurde im letzten Jahr frisch geliftet und erfreut sich grosser Beliebtheit - vor allem außerhalb der Reihen unserer Mitglieder; im vorigen Jahr konnten wir unser Archiv in Sosa eröffnen. Und ganz nebenbei: aus den 18 Gründungsmitgliedern sind inzwischen etwa 2500 Mitglieder in 11 Ländern geworden, ohne unseren Ägypter als eigenes Land hinzuzuzählen! Und als besonders schönes Geburtstagsgeschenk erreichte mich gestern die Beitrittsankündigung der slowenischen Köhlervereinigung! Der absolute Höhepunkt der 20 Jahre war mit Sicherheit die Aufnahme von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei in das erste bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland im Dezember 2014 (nach den Anerkennungen in Österreich 2011 und der Schweiz 2012), vor allem, weil als Trägergruppe der antragstellende Europäische Köhlerverband ausgezeichnet wurde. Mit dieser Anerkennung wird nicht nur die weitgehende Ignoranz der Geschichtsschreibung für die herausragende Bedeutung unseres Handwerkes in der Kultur- und Technikgeschichte der Menschheit wieder in’s Lot gebracht, sondern auch eine - wenn auch verspätete - Anerkennung für das Lebenswerk von Generationen von Köhlern und Teerschwelern ausgesprochen - eine Ehre, die wir Heutigen zweifellos unverdient geniessen dürfen!
Diese Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe markiert auch einen bedeutsamen Meilenstein für die weitere Entwicklung unseres Verbandes. Denn es öffnet die Perspektive zum einen über die rein technische und funktionale Bedeutung der Köhlerei hinaus auf die Kultur der Köhler und Schweler und zum anderen aus einer rein historischen Bewahrung in eine auf Gegenwart und Zukunft bezogene Dimension! Immaterielles Kulturerbe ist ja kein Museum, sondern lebendige Erinnerungskultur, die sich im tätigen Vollzug weiter entwickelt. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat bei der Auszeichnungsfeier zum immateriellen Kulturerbe am 16.03.2015 in Berlin zu dessen gesellschaftspolitischer Bedeutung einen zentralen Gedanken formuliert, den ich immer wieder gern zitiere:
„Eine Gesellschaft,
die mit ihren kulturellen Eigenheiten ihre eigene Identität und ihr Selbstverständnis pflegt, kann dem Anderen, dem Fremden, dem Unverständlichen Raum geben,
ohne sich dadurch bedroht zu fühlen.
Wo es dagegen keinen kulturellen Kern mehr gibt,
braucht es Feindbilder,
um sich der eigenen Identität zu vergewissern.“
Wahre Worte, fast als wären sie aktuell für die Tage nach dieser Bundestagswahl gesprochen, und so etwas wie das kleine Einmaleins für ein friedliches Zusammenleben im Kleinen wie im Grossen!
Wir müssen uns schon die Frage gefallen lassen, was wir dazu beitragen, unser kulturelles Erbe in diesem Sinne zu praktizieren, und was wir in das Konzert der vielen anderen kulturellen Erbe einbringen.
Damit einher geht die Frage, was denn die identitätsprägenden Kerne, die elementaren Haltungen und die grundlegenden Werte unserer überlieferten Köhlerkultur ausmacht.
Oder ist uns das alles zu anstrengend, und wir begnügen uns mit Holzspalten und Kohlemachen?
Dann sollten wir die Auszeichnung schnellstmöglich zurückgeben!
Für mich stecken in diesen (und weiteren) Fragen zentrale Zukunftsaufgaben des Europäischen Köhlerverbandes, denen wir uns zu stellen haben und in denen wir uns mit Freude und Leidenschaft engagieren werden.
Ein erster, vorläufiger Versuch zur Antwort auf unsere Essentials kam mir kürzlich gänzlich unerwartet entgegen:
Bei der Suche nach Spuren der Köhlerkultur in der Literatur bin ich auf ein Gedicht aus dem Jahr 1803 gestossen, also frei vom Verdacht, etwas in unsere Zeit hinein interpretieren oder unsere Fragen beantworten zu wollen. Der Verfasser ist unbekannt. Es wurde veröffentlicht in „Hamburg und Altona“, einer Zeitschrift zur „Geschichte der Zeit, der Sitten und des Geschmaks“, und trägt den schlichten Titel Köhlerlied:

"Lustig, ihr Köhler! im schaurigen Wald!
Hört, wie der Sturm durch die Tannen verhallt!
Schwarz, wie die Nacht, ist euer Gesicht;
Aber beim Himmel! Das Herz ist es nicht.

Gastfrei und freundlich, und traulich und froh
Theilt ihr den Bissen, das Lager von Stroh;
Weis’t den verirrten Wandrer zurecht,
Haltet Verstellung und Schandthat für schlecht.

Flink nach dem Meiler, ihr Köhler! gesehn,
Daß nur ja keine Löschkohlen entstehn!
Klingend und schwer und stahlblau allein
Müssen die Kohlen des Meilers stets seyn."

Welche Hinweise für unsere Gegenwart und Zukunft können wir aus den wenigen Zeilen herausdestillieren?
Ich will nur zwei Akzente herausgreifen:

Herzlich, freundlich, gastlich, Brot und Lager teilen - wäre es völlig abwegig, diese Attribute auf unseren Umgang miteinander und z.B. auch auf den Umgang mit Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, anzuwenden?

Authentisch, unverstellt, echt - wäre nicht im Konzert der vielen Phrasendrescher und Demagogen, der Schauspieler und Lügenbolde unserer Tage mit dem Lebensmodell „Köhler pur“ eine echte Lücke zu füllen?

In diesem kleinen, unscheinbaren Gedicht stecken in meinen Augen gelebte Maßstäbe unserer Vorfahren, die auch in unseren wirren Zeiten nicht nur uns, sondern auch den ganz vielen Anderen echte Orientierung geben können. In diesen Spuren sollten wir uns bewegen und sie immer weiter und tiefer für unseren Alltag übersetzen - viel zu tun und eine durchaus lohnende Perspektive…
In diesem Sinne
- auf die Gründer von 1997
- auf ein offenes und friedliches Europa
- auf eine gute Zukunft für den Europäischen Köhlerverband
Allzeit GUT BRAND

Karl Josef Tielke, Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V.
(Programmatischer Teil meiner Begrüssungsansprache beim Festabend zum zwanzigjährigen Bestehen des EKV am 30. September 2017 in der Köhlerhütte Fürstenbrunn im Erzgebirge - mit auf dem Foto: Amélie Leflaec, Europäische Köhlerliesel 2017)


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