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Europäischer Köhlerverein
Europäischer Köhlerverband e.V. gegründet 1997 in Hasselfelde, Sitz in Eibenstock OT Sosa, Präsident: Karl Josef Tielke, Mail: info@europkoehler.com
  
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Holzkohlemeiler

aktuelle Informationen

Liebe Köhlerfreundinnen und Köhlerfreunde!

Wieder einmal diese riesige Wiedersehensfreude, der sich niemand bei einem europäischen Köhlertreffen entziehen kann - in diesem Jahr in Wolfshagen im niedersächsischen Harz. Kein Nachlassen bei denen, die schon etliche dieser Treffen erlebt haben? Klares NEIN! Es ist einfach so, dass wir nach zwei Jahren froh und glücklich sind, die alten Freunde und die unbekannten Neuen zu treffen, zu erzählen, zu fachsimpeln und unsere völkerverbindende Köhlergeselligkeit zu pflegen. In diesem Jahr vielleicht noch etwas intensiver. Ihr werdet es euch denken können: Corona warf einen langen Schatten auch auf unser Treffen. Langes Bangen im Vorfeld, ob und wie wir uns wohl versammeln dürften. Manchen waren das zu viele Unwägbarkeiten, und sie blieben lieber zuhause, was keinem zu verdenken war. "Geimpft, genesen, getestet" war auch in Wolfshagen die Devise. Aber auch mit Gesichtsmaske waren alle gut zu erkennen und regional zuzuordnen. Hat das unsere Wiedersehensfreude gebremst? Klares NEIN! Im Gegenteil! Nach den vielen Monaten mit reduzierten Kontakten, mit ausgefallenen Meilerwochen, ungewissen Perspektiven war die Freude am Wiedersehen um ein Vielfaches intensiver, auch wenn die Umarmungen manchmal zögerlicher ausfielen. Die stärkste Freude war sicher, die anderen gesund zu sehen und zu wissen. Und das gilt nach wie vor, vielleicht sogar stärker als je zuvor, über alle Grenzen hinweg! Wir sind schon ein starker Verbund, der auch unter Belastungen nicht so schnell in die Knie geht.
Und wenn ich die Tage in Wolfshagen so Revue passieren lasse, wird mir ein Faktor deutlich, der diese Verbundenheit entscheidend formiert. Im Unterschied zu den Bemühungen der Politik, Europa einver-nehmlich zu gestalten und zu entwickeln, geraten wir nicht vor lauter Rücksicht auf auseinanderdriftende nationale Interessen in's Stolpern. Wir vertreten ja in unserem Verbund nicht Nationalstaaten, sondern kommen aus unterschiedlichen Regionen Europas. Bei dieser Sicht von Europa sind die kulturellen und historischen Gemeinsamkeiten häufig viel grösser und verlaufen häufig quer zu den nationalstaatlichen Grenzen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können und sicher auch müssen! Das ist der Wurzelgrund für eine grössere Einheit, die durchaus die regionalen Besonderheiten und Unterschiede aushalten und eher als wechselseitige Bereicherung ansehen kann. In unserer Mitgliederversammlung habe ich daraus einen von drei Leitsätzen für die Arbeit des Europäischen Köhlerverbandes formuliert: "Wir leben unser Europa der Regionen". Dazu passt ganz hervorragend, dass auch unser Präsidium nach der Neuwahl diese regionale Vielfalt sehr gut repräsentiert. Mehr Frauen und mehr Jüngere Präsidiums-mitglieder runden diese erfreuliche Entwicklung ab.
Auch auf anderen Ebenen setzt sich eine stärkere europäische Sichtweise auf unser altes Handwerk fort. Unter der Federführung von Dr. Johannes Tintner (Universität für Bodenkultur, Wien) entsteht derzeit ein Projekt, das Handwerk, Kultur und Zukunft der holzverarbeitenden Berufe der Köhler, Teerschweler, Harzer und Pecher in den Blick nimmt und zu einem europäischen Wissensspeicher zusammenführen will. "ChaReTaPot" ist der Projektname, gebildet aus den englischen Abkürzungen der genannten Berufe, und der Europäische Köhlerverband ist mit seinem guten europäischen Netzwerk natürlich mit dabei!!!
Ein wichtiges Thema der Forschungen werden dabei auch die ökologischen Zusammenhänge unserer Handwerke sein. Was können wir zu einer guten Zukunft unseres Planeten beitragen? Ich bin da im Verlauf dieses Jahres steigend zuversichtlich geworden. Wenn ich die Fülle der Untersuchungen und Erprobungen sehe, die den Einsatz von Holzkohle/Pflanzenkohle in der Landwirtschaft voranbringen, können wir schon vorsichtig stolz sein, dass die in den Boden eingebrachte Holzkohle/Pflanzenkohle nicht nur die Qualität des Bodens verbessert, sondern eine effektive Möglichkeit bietet, CO2 dauerhaft im Boden zu speichern. Klimaschutz mit Holzkohle!!! Hätte sich das vor 10 Jahren jemand zu sagen getraut? Die immer wieder totgesagte Holzkohle steht wohl wieder einmal vor einer Auferstehung und einer Zukunft mit neuen Einsatzgebieten. Diesmal vielleicht so bedeutsam wie nie zuvor... So konnte ich den zweiten Leitsatz für die Arbeit unseres Verbandes mit Überzeugung und Hoffnung formulieren: "Wir engagieren uns für die Zukunft unserer Erde mit der guten Holzkohle".
"Europa der Regionen" und "Zukunft unserer Erde", das sind doch lohnende Ziele für unser Engagement im nächsten und weiteren Jahren?! Gehen wir mit unseren Möglichkeiten daran, gestärkt von der wieder erlebten Freude am europäischen Miteinander und getragen von der Hoffnung auf eine gute und gesunde Zukunft...
In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Familien ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr 2022, in dem ich mich wieder auf viele leibhaftige Begegnungen mit euch freue,
Herzliche Köhlergrüsse und bleibt gesund...
Allzeit GUT BRAND

Karl Josef Tielke
- Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V. -
Mit übergrosser Freude möchte ich euch eine Neuerscheinung zur Geschichte und Gegenwart der Köhlerei an’s Herz legen und zur Lektüre empfehlen, die unser Köhlerfreund und Vorstand Charles Schlosser kürzlich veröffentlicht hat. „Le charbonnier, une longue histoire - Der Köhler“
Er selbst schreibt nüchtern und viel zu bescheiden über sein Werk:
"Der Köhlermeister aus Lembach, aus einer alten Kohlenbrennerfamilie stammend, hat sich bereits als junger Student für das alte Handwerk und das eigenartige Leben der Köhler interessiert.« Le charbonnier, une longue histoire », so lautet der Titel seines Buches in französischer Sprache mit deutschem Untertitel und deutscher Zusammenfassung. Von der Tatsache ausgehend, dass die Resonanz der Geschichte der Köhlerei, wie wir sie im EKV zu pflegen versuchen kaum gewichtig ist, hat sich der Autor bemüht einen umfangreichen Einblick in die Welt der Holzkohle und des Köhlers zu geben. Es ging ihm darum viel weniger eine wissenschaftliche Studie vorzulegen als ein aufschlussreiches menschengeschichtliches und kulturelles Werk anzubieten. Als die Holzkohle im 19. Jahrhundert immer mehr durch Steinkohle, im 20. Jahrhundert dann durch Erdgas und Strom ersetzt wurde, hat ein großer Teil der Menschheit mehr und mehr vergessen, welche Rolle sie in der Entwicklung der Zivilisation gespielt hat. Doch Hunderte von Millionen Menschen vergessen sie nicht : die Holzkohle bleibt nämlich für sie als Energiestoff lebenswichtig. Aus der Antike erfahren wir sehr wenig, erst im Mittelalter erscheinen Schriften und einige Abbildungen. Dank der Erfindung der Buchdruckerei läßt sich die Köhlerei mehr und mehr erkunden. So nimmt es also keinen wunder, wenn der reichste Stoff zur Geschichte der Köhlerei im 17. bis 19. Jahrhundert zu finden ist. Das etwa 200 Seiten lange mit ebenso vielen Abbildungen illustrierte Werk gestaltet sich in 9 Kapitel. Das Bild des Köhlers selbst, seinen Alltag, die Kohlplatten und Köhlereiverfahren in ihrer Vielfalt, die Benutzung der Holzkohle, das ökologische Gleichgewicht und die Gefährdung der Wälder, der Köhlerglaube, die Sagen und Legenden um den Köhler, der Kohlenbrenner in Kunst und Literatur : all diese Themen sollen dem Leser Einsicht gewähren in die immerhin bunte Welt der schwarzen Gesellen.“
Nach einem ersten begeisterten Blättern und Sichten halte ich dieses Buch für eines der drei besten Bücher zum Köhlerhandwerk, die in den letzten 50 Jahren erschienen sind. Charles ist ein ganz grosser Wurf gelungen, der nicht beim Handwerk allein bleibt, sondern die historischen Kontexte einbezieht und alles in eine Kulturgeschichte einbettet. Herrliche Abbildungen aus alter und neuer Zeit lassen Köhlerherzen höher schlagen. Der Meilerduft ist fast zu riechen! Und wenn jemand mit deutscher Sprache jetzt die Sorge hat, er könne das Französische nicht verstehen, so gibt es eine umfangreiche deutsche Zusammenfassung und natürlich die zahlreichen und ausgezeichneten (mehr als 200!) Bilder, Zeichnungen und Fotografien, die ohne Worte (fast) alles sagen und lange Winterabende zum Vergnügen werden lassen...
Dir, lieber Charles, Respekt, Glückwunsch und grösstmöglichen Köhlerdank!!! Wäre das nicht ein ideales Köhlerweihnachtsgeschenk?! (KJT, 26/10/2021)

Das Buch ist erhältlich bei : Charles SCHLOSSER, 17 rue de Wingen F-67510-Lembach (cschlosser@wanadoo.fr) – 25 € + 7€ Versandkosten
Marcus Lüthy vom Köhlerverein Speuz (Erlinsbach, CH) präsentierte eindrucksvoll die Bewerbung für die Ausrichtung des 14. Europäischen Köhlertreffens 2023, die mit grossen Beifall der Anwesenden aufgenommen wurde. So verwundert es nicht, dass die Mitgliederversammlung einstimmig beschloss, das 14. Europäische Köhlertreffen vom 07. - 10. September 2023 in Erlinsbach (Schweiz) durchzuführen. Die Speuzer Köhlerfreundinnen und Köhlerfreunde bekräftigten ihre herzliche Einladung auf eigens bedruckten Shirts…
Das 13. Europäische Köhlertreffen in Wolfshagen (Harz) ist Geschichte. Nach langen Monaten der Ungewissheit, ob das Treffen wegen der Corona-Pandemie überhaupt stattfinden könne, war die Wiedersehensfreude der Köhlerfreundinnen und Köhlerfreunde vom ersten Moment an übergross. Angesichts der Freude, sich überhaupt wieder zu treffen, wurden Maskenpflicht, Impfnachweis und Tests bereitwillig in Kauf genommen. Einige Gruppen hatten in diesem Jahr auf eine Teilnahme verzichtet, und so konnten am Eröffnungsabend Teilnehmende aus 20 Gruppen/Vereinen in 5 europäischen Ländern und Einzelne aus 5 Bundesländern, der Schweiz und Österreich begrüsst werden. Neben Austausch, Geselligkeit und herzlicher europäischer Begegnung gab es in den Tagen in Wolfshagen reichlich Harzkultur mit Chorgesang, Jodeln und einem fulminanten Showauftritt der Wolfshäger Hexenbrut. Am Samstag standen Exkursionen zu besonderen Harzorten auf dem Programm, u.a. nach Goslar, zum Brocken und zur Harzköhlerei Stemberghaus, abends dann der festliche Abschlussabend mit Dank des EKV und der Gäste an die ausrichtenden Wolfshäger Meilerfreunde. Das waren wieder drei herrliche Tage nach Köhlerart und im europäischen Geist unserer Regionen, die nach der langen Coronapause allen sichtlich gut getan haben! Freuen wir uns auf das, was vor uns liegt - allzeit GUT BRAND!!! (30.09.21, Fotos von Hartmut Bisinger, Hagen Pietsch, Joze Prah, Teresa Tielke - Bildrechte bei den Autoren - in der Rubrik „Publikationen unter „Filme&Fotos“)
Zur turnusmäßigen Mitgliederversammlung am 17.09.2021 konnte Präsident Karl Josef Tielke mehr als 120 Anwesende begrüssen. Zu Beginn wurde der Toten seit 2019 gedacht. Verstorben sind in diesem Zeitraum Ehrenmitglied Frau Prof. Hiltraud Ast, Fördermitglied Waldemar Banse, Ehrenmitglied und Präsidiumsmitglied Kurt Jacob, Karl-Heinz Kordt, Herbert Nowak und Erich Prechtl. Sie ruhen in Frieden! Der Rechenschaftsbericht 2017-2021 erinnerte an die vielen ausgefallenen Veranstaltungen infolge der Corona-Pandemie. Bewährt habe sich das 2017 beschlossene Organisationsgefüge. So haben zwei Vorstandsklausuren und 2 Präsidiumssitzungen stattgefunden. Die Mitgliederentwicklung sei ungebrochen positiv. Seit Lembach 2017 sind 17 Einzelmitglieder und 13 Vereine dem EKV beigetreten. Die Kommunikation im EKV sei deutlich intensiviert, was der Präsident sich auch von der Kommunikation innerhalb der Gruppen und Vereine wünscht! Inhalte und Layout von www.europkoehler.com werden von Aussenstehenden sehr gelobt. Auf den Grundlagenseiten konnten fundierte Beiträge zur Geschichte der Köhlerei und zur Geschichte der frühen Fachliteratur zur Meilerköhlerei bis in’s 19. Jahrhundert eingestellt werden. Bis zum 25-jährigen Bestehen des EKV in 2022 soll die Geschichte des EKV im Zeitraffer erscheinen. An die Gruppen und Vereine ergeht der dringende Aufruf, ihre jeweilige Internetpräsenz gut und laufend zu aktualisieren. Die Handreichung „Köhlerei in Zeiten des Klimawandels“ von 2020 wurde rege nachgefragt. Die in Giershagen 2019 beschlossene Initiative zur Nominierung von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei als weltweites immaterielles Kulturerbe der Menschheit hat wie erwartet noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Der Präsident hat in Absprache mit dem Vorstand in Slowenien politische Gespräche geführt, ob eine solche Initiative von dort erfolgen könne. Diese Idee wurde sehr positiv aufgenommen.
Der Finanzbericht des Schatzmeisters wies eine gute Finanzsituation und eine positive Beitragsmoral unserer Mitglieder aus. Die Kassenprüfer lobten die gute Arbeit des Schatzmeisters. Der Vorstand wurde bei Enthaltung der Betroffenen einstimmig entlastet. Als weiterer Kassenprüfer wurde Gerd Linden für 4 Jahre gewählt. Zu den Neuwahlen, Ehrungen, dem 14. Europäischen Köhlertreffen 2023 separate Berichte im Anschluss. Für das 15. Europäische Köhlertreffen 2025 gibt es die Bewerbung der Köhlerfreunde Ebermannsdorf, über die dann 2023 entschieden wird.
In seinem Schlusswort benannte der wiedergewählte Präsident drei Leitsätze für die Arbeit des EKV:
1. Wir erhalten Köhlerhandwerk und Teerschwelerei als lebendiges kulturelles Erbe
2. Wir setzen uns ein für eine gute Zukunft mit der guten Holzkohle
3. Wir leben unser Europa der Regionen (30.09.2
Die Mitgliederversammlung des Europäischen Köhlerverbandes e.V. in Wolfshagen hat am 17.09.2021 wichtige Personalentscheidungen für die Zeit von 2021 - 2025 getroffen. Vor den turnusgemäßen Neuwahlen des Vorstandes und der Beisitzer des Präsidiums wurden zunächst langjährige Vorstandsmitglieder verabschiedet: Peter Feldmer (Hasselfelde) war seit der Gründung des EKV fast 24 Jahre als Vizepräsident eines der bekanntesten Gesichter des EKV. Meinolf Kopshoff (Castrop-Rauxel) wurde 2013 zum Schriftführer gewählt, übernahm dann ab 2015 zusätzlich die Aufgabe des Schatzmeisters und wurde 2017 in dieser Aufgabe bestätigt. Jahr für Jahr waren die Kassenprüfer voll des Lobes über seine verlässliche und transparente Verwaltung unserer Finanzen. Wilfried Luther (Mengersgereuth-Hämmern) übernahm 2017 die Aufgabe des Schriftführers und war trotz seiner vielfältigen kommunalpolitischen Verpflichtungen eine wichtige Stimme im Vorstand. Präsident Karl Josef Tielke dankte den drei ausscheidenden Vorständen mit einem Präsent für ihre engagierte Tätigkeit.
Die Neuwahlen des Vorstandes fügten dann drei neue Gesichter zu den zwei verbleibenden hinzu: Präsident bleibt in der nun dritten Amtszeit Karl Josef Tielke (Borchen). Vizepräsidenten sind in der zweiten Amtszeit Doris Wicki (Entlebuch) und neu Josef Gilch (Ebermannsdorf). Schatzmeister ist jetzt Sascha Feldmer (Hasselfelde) und Schriftführer Charles Schlosser (Lembach). Der gesamte Vorstand wurde einstimmig gewählt.
Auch bei den 10 Beisitzern im Präsidium gab es einige Veränderungen. Gewählt wurden einstimmig Ute Häcker (Sosa), Marija Imperl (Slowenien), Thomas Faißt (Baiersbronn), Wilfried Luther (Mengersgereuth-Hämmern), Wilhelm Papen (Kleve), Michael Prymka (Polen), Volker Rill (Frammersbach), Zeno Sagui (Italien), Hermann Summa (Selb) und Reinhold Wagener (Walpersdorf).
Das gesamte Präsidium ist durch diese Wahlen weiblicher, jünger und europäischer geworden!!!
Nach der Premiere 2015 in Neukirchen gehört es zu den besonderen Rechten des Vereins, der das Europäische Köhlertreffen ausrichtet, die europäische Köhlerliesel zu nominieren, die ihr Amt dann für zwei Jahre bis zum folgenden Europatreffen ausüben darf. 2015 war Saskia Abstreiter die erste europäische Köhlerliesel. 2017 übergab sie mit der zugehörigen Schärpe ihr Amt an Amelie Leflaec. Auf Amelie folgte 2019 Denise Nolte, deren Amtszeit durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie massiv beeinflusst wurde. Am Nachmittag des 17. September folgte dann auf dem Meilerplatz in Wolfshagen die nächste Weitergabe. Mit einer schönen Ansprache erinnerte Denise an die Besonderheiten ihrer Amtszeit und legte dann ihrer Nachfolgerin Sophia Wöstefeld aus Wolfshagen als äusseres Kennzeichen die Schärpe an. Präsident Karl Josef Tielke dankte Denise für ihre Zeit und wünschte Sophia eine unbeschwertere Zeit als Köhlerliesel. Auf Vorschlag von Charles Schlosser wurde Denise Nolte wegen der besonderen Herausforderungen ihrer Amtszeit per Akklamation der Versammelten der Ehrentitel „Europäische Ehrenköhlerliesel“ zugesprochen. Auf dem Foto links die Köhlerliesel 2021 Sophia Wöstefeld, rechts die Köhlerliesel 2019 Denise Nolte.(30.09.2021)
Im Rahmen der Mitgliederversammlung des EKV am 17.09.2021 ernannte Präsident Karl Josef Tielke nach einstimmigem Beschluss des Vorstandes das langjährige Mitglied des EKV Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Wienhaus zum Ehrenmitglied des EKV. Otto Wienhaus war bis zu seiner Pensionierung lange Jahre Professor für Pflanzenchemie und Ökotoxikologie an der heutigen Fakultät für Umweltwissenschaften der Technischen Universität Dresden in Tharandt. Als renommierter und international anerkannter Wissenschaftler stand und steht er dem EKV mit seiner fachlichen Expertise immer wieder mit Rat und Tat zur Seite. So hat er z.B. mit seinen fachlichen Einschätzungen unsere Handreichung „Köhlerei in Zeiten der Klimadebatten“ wesentlich geprägt. Im neuen Heft 17 unserer Schriftenreihe hat er einen ausgezeichneten Beitrag zur Geschichte der Holzkohleproduktion zu DDR-Zeiten verfasst. Solch einen Beitrag gab es bislang nicht öffentlich zugänglich, und wir dürfen schon etwas stolz sein, dass wir als EKV diese bedeutende Darstellung veröffentlichen dürfen.
Dem EKV ist es eine grosse Ehre, Otto Wienhaus, nun auch als Ehrenmitglied in seinen Reihen zu wissen… (30.09.2021)
Nach langer Zeit intensiver Recherchen konnte der EKV rechtzeitig zum 13. Europäischen Köhlertreffen eine neue Veröffentlichung vorlegen: Heft 17 der Freien Schriftenreihe mit dem Titel „Von der Holzkohle zum Koks - ein Streifzug durch die Geschichte der Kohle in Mitteldeutschland“. An der Konzeption, Redaktion und Gestaltung dieses Heftes hat der langjährige Verantwortliche für die Schriftenreihe, Kurt Jacob aus Mengersgereuth-Hämmern bis kurz vor seinem Tod im April 2021 unermüdlich gearbeitet. Und herausgekommen ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann!!! Auf 94 reich bebilderten Seiten finden sich Beiträge von Ralf Kirchner zur Kartierung und Bewertung von vorindustriellen Meilerplätzen im Thüringer Wald, von Kurt Jacob über Köhlerei als Handwerk und Helmut Kinne über die Zeit von Steinkohle und Koks. Den weitaus umfangreichsten Beitrag steuert Prof. Dr.Dr.h.c. Otto Wienhaus bei, der erstmalig eine umfassende Darstellung „Holzkohle in der DDR - Bedarf, Erzeugung, Probleme“ vorstellt. Alles in allem sind das sehr qualifizierte Beiträge, die durchaus auch als eine Würdigung der Holzkohleproduktion zu DDR-Zeiten verstanden werden dürfen!
Das Heft kann zum Preis von 8,50 € zzgl. Versandkosten bezogen werden bei: Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen (tielke-borchen@t-online.de)
...ist eine kleine Handreichung überschrieben, die ab sofort in der Rubrik "Grundlagen/Literatur" unter dem Stichwort "Handwerkstechnik" veröffentlicht ist und gern kopiert werden darf. EKV-Mitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Wienhaus, langjähriger Professor für Pflanzenchemie und Ökotoxikologie der Technischen Universität Dresden in Tharandt, hat mit Unterstützung von Heinz Sprengel eine kurze fachliche Darstellung zur Frage der beim traditionellen Meilerbetrieb entstehenden Emissionen und den rechtlichen Vorgaben für unsere Meiler erstellt. Damit wollen wir unseren Mitgliedern und allen interessierten Köhlern eine fachliche Argumentationshilfe für die in den letzten Jahren vermehrt aufkommenden Diskussionen im Zusammenhang der Klimadebatten an die Hand geben. Auf diese Weise hoffen wir zu einer Versachlichung der Diskussionen beizutragen, damit die Ausübung des Köhlerhandwerkes als immaterielles Kulturerbe eine gute Zukunft behält...
COOL DOWN - mit Pflanzenkohle die Klimakrise lösen?
Durch Verbrennung die Erderwärmung eindämmen? Klingt paradox, ist aber möglich!
Die zugrundeliegende Methode - die sauerstofffreie "Verbrennung" von organischen Materialien wie Küchenabfällen und Pflanzenresten - wurde bereits vor über 500 Jahren entwickelt. Auf diese Weise produzierte Pflanzenkohle (ähnlich: Holzkohle) macht Böden fruchtbar, reinigt Wasser und kann als Zuschlagstoff die Eigenschaften von Stahl und Beton verbessern. Vor allem aber kann sie die Klimaerhitzung drastisch Eindämmen, indem sie der Atmosphäre Kohlenstoff entzieht.
Das Buch "Cool down" von Albert Bates und Kathleen Draper liefert eine beeindruckende Sammlung an Projekten und Ideen, die alle auf ein Ziel gerichtet sind: Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu holen, um ihn langfristig zu binden – sei es im Boden, in Gebäuden, Straßen oder anderen langlebigen Produkten. Im Zentrum steht Pflanzenkohle mit ihren unzähligen Anwendungsmöglichkeiten. Pflanzenkohle und die bei der Pflanzenkohle-Herstellung gewinnbaren flüssigen Stoffe können knappe Ressourcen ersetzen. Cool down zeigt auf, wie dies nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll gestaltet werden kann. 
Ein Buch über einen wahren Alleskönner gegen die Klimakrise! Nicht nur für Köhler höchst lesenswert...
(oekom Verlag, München, 2021)
- lautet der Titel eines neuen Köhlerbuches aus der Schweiz. Konzipiert und geschrieben hat es Helmut W. Rodenhausen, ein Schweizer Autor mit ganz viel Leidenschaft für die Köhlerei. Der Verlag schreibt dazu: „ Auf 360 Seiten werden – ausgehend von den aktiven Köhlern im schweizerischen Entlebuch – die verschiedensten Themen der Holzkohle behandelt.
Neben der Geschichte der Köhlerei (incl. Teerschwelerei) sind die Forstwirtschaft, die medizinischen Anwendungen der Aktivkohle, die Terra-Preta, die wissenschaftlichen Bereiche der Anthrakologie und selbstverständlich die unterschiedlichen Arten der Verkohlung beschrieben. Interessant und reich bebildert sind ebenfalls die Kapitel über Köhler-Sagen und -Erzählungen, über «Kunst & Kohle» sowie über Köhlerfeste rund ums Jahr. Natürlich dürfen auch die Bezüge zur Arbeit des Europäischen Köhlerverbandes nicht fehlen.“ Nach der Lektüre des Buches sehe ich diese Beschreibung als viel zu nüchtern und sachlich an, die kaum etwas von der Magie der Fotos und den wertschätzenden Texten der 360 Seiten ahnen lässt. „HOLZKOHLE“ ist ein Lese- und Bilderbuch (171 Fotos) rund um das Köhlerhandwerk, flüssig und leicht, fast reportageartig und gut lesbar geschrieben. Ein lebendiger Streifzug durch (fast) alle Themen rund um Holzkohle und Köhlerhandwerk. Obwohl gründlich und fachlich sauber recherchiert, ist das kein trockenes Fachbuch, das einer streng logischen Fachystematik folgt. Eher assoziativ und ganz stark mit seiner Bildersprache. Holzkohle wird nicht allein technisch, sondern als Kulturgut in Geschichte, Gegenwart und Zukunft präsentiert. Die zweijährige intensive Erkundung der Materie findet einen seriösen Niederschlag in jedem der zehn Kapitel. Die Leidenschaft für das Produkt und das Handwerk prägen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Das ist ein Buch, das jedem Köhler gut ansteht. Ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk, das Lust auf Köhlerei macht. Von den Köhlerbüchern der letzten Jahre ist mir kein einziges vergleichbar gutes und empfehlenswertes bekannt! Natürlich hat Qualität ihren Preis - jetzt: 39 € in Deutschland. Gut angelegtes Geld auf jeden Fall. Im Haupt Verlag erschienen, im Buchhandel erhältlich ISBN: 978-3-258-60214-1. Auf der Website www.edizio.com/shop kann das Buch auch direkt vom Autor mit einer persönlichen Widmung bestellt werden. Ein Satz von der letzten Seite: „Holzkohle hätte es schon lange verdient, dass man ihr ein Denkmal setzt.“ Mit seinem Buch hat Helmut W. Rodenhausen der Holzkohle ein würdiges Denkmal gesetzt. Mein grosser Köhlerdank gilt ihm für dieses vorzügliche Werk - allzeit GUT BRAND!!! (KJT)
P.S. Inzwischen gibt es eine ausgezeichnete Vorstellung des Buches im Hessischen Rundfunk: https://www.hr2.de/podcasts/neue-buecher/helmut-w-rodenhausen-holzkohle-vom-schwarzen-gold-zur-glut-im-grill,podcast-episode-62696.html
- ist eine neue Broschüre der Harzköhlerei Stemberghaus betitelt, die Anfang November veröffentlicht wurde. Auf gut 50 reich bebilderten Seiten hat der bekannte Harzer Heimatkundler Prof. Dr. Lutz Wille eine Fülle von Überlieferungen zur Harzer Köhlerkultur zusammengetragen. So finden sich Kapitel zu Köhlertraditionen, zur Köhlertracht, zu Harzer Köhlerliedern und Jodelrufen, zu Köhlerglocke und Köhlergeläut, sowie Köhlermärchen und -geschichten aus dem Harz. Eine gut gelungene Dokumentation zur Kulturgeschichte der Köhler in einer der traditionsreichsten Köhlerregionen Deutschlands. Die Broschüre kann zum Preis von 7,00€ zzgl. Versandkosten bezogen werden bei: Harzköhlerei Stemberghaus, Stemberghaus 1, 38899 Hasselfelde, Mail: stemberghaus@harzkoehlerei.de
Wer zum EKV gehört, zeigt das auch gern öffentlich - deshalb gibt es EKV- Poloshirts, Aufnäher, Aufkleber, Halstücher, Flyer, deren Erscheinungsbild von Zeit zu Zeit renoviert wird. Nach der Namensänderung zum „Europäischen Köhlerverband“ im Jahr 2017 wurden einige der Erkennungszeichen entsprechend neu gestaltet. Poloshirts mit dem gestickten Schriftzug „Europäischer Köhlerverband“ auf der Vorderseite, „Gut Brand“ auf dem Ärmel und einem aufgestickten Meiler auf der Rückseite können zum Preis von 30,00 € zzgl. Versandkosten bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen, tielke-borchen@t-online.de bezogen werden. Dort gibt es auch noch die beliebten roten Dreiecks-Halstücher aus solidem Stoff mit aufgesticktem "GUT BRAND" in den Maßen 100/68/68 cm zum Preis von 13,00 € pro Stück zzgl. Versandkosten und Aufnäher mit dem eingestickten Logo des EKV mit dem Durchmesser von etwa 9,5 cm zum Preis von 5,50 € pro Stück (ab 10 Stück 5,00€) zzgl. Versandkosten.
Beim 10. Europäischen Köhlertreffen in Neukirchen konnte ein neues Produkt des EKV vorgestelltwerden: das KÖHLERSPIEL! In der Art der bekannten Leiterspiele lässt sich mit diesem Würfelspiel die Arbeit eines Köhlers vom Aufbau des Meilers über das Verschwelen bis zum Ernten der Holzkohle verfolgen. Eine geniale Möglichkeit, wie Kinder einen spielerischen Zugang zum Köhlerhandwerk bekommen können - am besten, wenn Eltern oder Grosseltern mit ihnen spielen und dabei noch Erinnerungen und Erlebnisse einfliessen lassen! Dank der grosszügigen Unterstützung der BIAG (Barbecue Industry Association Grill e.V.) können wir das Spielfeld zum Stückpreis von 2,50 € zzgl. Versandkosten anbieten. Wer gleich 5 Expl. bestellte, zahlt dafür lediglich 10,00 € zzgl. Versandkosten. Bestellungen bei: Europäischer Köhlerverein e.V., Hauptstr. 28, 08309 Eibenstock oder bei Karl Josef Tielke, Liethberg 20 A, 33178 Borchen (info@europkoehler.com).
Wenn im Winter die Meiler ruhen, bleibt an langen Abenden Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, z.B. sich in die Fachliteratur zur Köhlerei einzugraben. Ich habe die Wintermonate genutzt, um im Internet die inzwischen überwiegend digitalisierten alten Fachbücher rund um die Köhlerei aufzuspüren und systematisch zu sortieren. Im frühen Frühjahr habe ich die Ergebnisse dieser Literaturrecherche verschiedenen Zeitepochen zugeordnet und kommentiert. Herausgekommen ist dann "Eine kleine Geschichte der Fachliteratur zur Meilerköhlerei von den Anfängen bis in's 19. Jahrhundert", die ab sofort in der Rubrik "Grundlagen/Literatur" zugänglich ist. Ich hoffe, dass der Text ein kleiner Baustein in unserem grossen Anliegen sein kann, nicht nur aktuelle Köhlereithemen, sondern auch Geschichte und Grundlagen des Köhlerhandwerkes lebendig zu überliefern. (Karl Josef Tielke)
2o Jahre Europäischer Köhlerverband, eigentlich eine zu kleine Zahl, um schon gross zu feiern! Auf der anderen Seite eine schöne Gelegenheit, innezuhalten und die rasante Entwicklung seit 1997 zu würdigen.
Am 03. Oktober 1997 kamen im Stemberghaus in Hasselfelde/Harz zahlreiche Köhlerfreunde zusammen, um zuallererst die Eröffnung des ersten deutschen Köhlereimuseums zu feiern. 18 von ihnen hatten noch anderes im Sinn: sie beschlossen förmlich, den Europäischen Köhlerverein zu gründen. Überraschend vielleicht: der 03. Oktober war ja schon damals Tag der deutschen Einheit, und dennoch wurde ein europäischer Verband gegründet! Ich halte diese Tatsache nach wie vor für eine visionäre Entscheidung, die unseren Verband - so wie den wehenden Meilerduft - nicht eng national begrenzt, sondern in einen weiten grenzüberschreitenden Horizont gestellt hat. Und wer von uns erinnert sich nicht mit Freude und manchmal feuchten Augen an die beglückenden Begegnungen mit den europäischen Nachbarn, an das Erleben und Geniessen der anderen Kulturen, auch wenn der erste Schritt manchmal Überwindung gekostet hat? Besonders die europäischen Köhlertreffen (Vertreter der Ausrichter aus Österreich, aus Italien, der Schweiz und aus Frankreich sind unter uns) haben Verbindungen zu Freundschaften wachsen lassen, die Sprachprobleme bedeutungslos machen und auch durch schlechte Nachrichten aus Politik und Finanzwelt nicht erschüttert werden. Wir leben Europa - zwar im Kleinen, aber auf solidem Fundament: verwurzelt in unseren Heimatregionen, offen und respektvoll im Umgang Miteinander und fernab von politischem Kalkül!! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir den kleinen Rest von Skeptikern und Gegnern in Europa und unter Europapolitikern mit unserer Europafreude noch anstecken und begeistern können!
Im Zeitraffer ein paar Fakten aus den 20 Jahren: inzwischen haben 11 Europäische Köhlertreffen stattgefunden; die 12. Ausgabe unseres jährlichen Magazins „Der Köhlerbote“ ist im Werden; das 16. Heft unserer Schriftenreihe mit fachlichen Themen des montanen Verbundes von „Bergbau - Köhlerei - Hüttenwesen“ ist in diesem Jahr zu den chemischen Prozessen der Pyrolyse erschienen; unsere Homepage (seit 2008) wurde im letzten Jahr frisch geliftet und erfreut sich grosser Beliebtheit - vor allem außerhalb der Reihen unserer Mitglieder; im vorigen Jahr konnten wir unser Archiv in Sosa eröffnen. Und ganz nebenbei: aus den 18 Gründungsmitgliedern sind inzwischen etwa 2500 Mitglieder in 11 Ländern geworden, ohne unseren Ägypter als eigenes Land hinzuzuzählen! Und als besonders schönes Geburtstagsgeschenk erreichte mich gestern die Beitrittsankündigung der slowenischen Köhlervereinigung! Der absolute Höhepunkt der 20 Jahre war mit Sicherheit die Aufnahme von Köhlerhandwerk und Teerschwelerei in das erste bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland im Dezember 2014 (nach den Anerkennungen in Österreich 2011 und der Schweiz 2012), vor allem, weil als Trägergruppe der antragstellende Europäische Köhlerverband ausgezeichnet wurde. Mit dieser Anerkennung wird nicht nur die weitgehende Ignoranz der Geschichtsschreibung für die herausragende Bedeutung unseres Handwerkes in der Kultur- und Technikgeschichte der Menschheit wieder in’s Lot gebracht, sondern auch eine - wenn auch verspätete - Anerkennung für das Lebenswerk von Generationen von Köhlern und Teerschwelern ausgesprochen - eine Ehre, die wir Heutigen zweifellos unverdient geniessen dürfen!
Diese Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe markiert auch einen bedeutsamen Meilenstein für die weitere Entwicklung unseres Verbandes. Denn es öffnet die Perspektive zum einen über die rein technische und funktionale Bedeutung der Köhlerei hinaus auf die Kultur der Köhler und Schweler und zum anderen aus einer rein historischen Bewahrung in eine auf Gegenwart und Zukunft bezogene Dimension! Immaterielles Kulturerbe ist ja kein Museum, sondern lebendige Erinnerungskultur, die sich im tätigen Vollzug weiter entwickelt. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat bei der Auszeichnungsfeier zum immateriellen Kulturerbe am 16.03.2015 in Berlin zu dessen gesellschaftspolitischer Bedeutung einen zentralen Gedanken formuliert, den ich immer wieder gern zitiere:
„Eine Gesellschaft,
die mit ihren kulturellen Eigenheiten ihre eigene Identität und ihr Selbstverständnis pflegt, kann dem Anderen, dem Fremden, dem Unverständlichen Raum geben,
ohne sich dadurch bedroht zu fühlen.
Wo es dagegen keinen kulturellen Kern mehr gibt,
braucht es Feindbilder,
um sich der eigenen Identität zu vergewissern.“
Wahre Worte, fast als wären sie aktuell für die Tage nach dieser Bundestagswahl gesprochen, und so etwas wie das kleine Einmaleins für ein friedliches Zusammenleben im Kleinen wie im Grossen!
Wir müssen uns schon die Frage gefallen lassen, was wir dazu beitragen, unser kulturelles Erbe in diesem Sinne zu praktizieren, und was wir in das Konzert der vielen anderen kulturellen Erbe einbringen.
Damit einher geht die Frage, was denn die identitätsprägenden Kerne, die elementaren Haltungen und die grundlegenden Werte unserer überlieferten Köhlerkultur ausmacht.
Oder ist uns das alles zu anstrengend, und wir begnügen uns mit Holzspalten und Kohlemachen?
Dann sollten wir die Auszeichnung schnellstmöglich zurückgeben!
Für mich stecken in diesen (und weiteren) Fragen zentrale Zukunftsaufgaben des Europäischen Köhlerverbandes, denen wir uns zu stellen haben und in denen wir uns mit Freude und Leidenschaft engagieren werden.
Ein erster, vorläufiger Versuch zur Antwort auf unsere Essentials kam mir kürzlich gänzlich unerwartet entgegen:
Bei der Suche nach Spuren der Köhlerkultur in der Literatur bin ich auf ein Gedicht aus dem Jahr 1803 gestossen, also frei vom Verdacht, etwas in unsere Zeit hinein interpretieren oder unsere Fragen beantworten zu wollen. Der Verfasser ist unbekannt. Es wurde veröffentlicht in „Hamburg und Altona“, einer Zeitschrift zur „Geschichte der Zeit, der Sitten und des Geschmaks“, und trägt den schlichten Titel Köhlerlied:

"Lustig, ihr Köhler! im schaurigen Wald!
Hört, wie der Sturm durch die Tannen verhallt!
Schwarz, wie die Nacht, ist euer Gesicht;
Aber beim Himmel! Das Herz ist es nicht.

Gastfrei und freundlich, und traulich und froh
Theilt ihr den Bissen, das Lager von Stroh;
Weis’t den verirrten Wandrer zurecht,
Haltet Verstellung und Schandthat für schlecht.

Flink nach dem Meiler, ihr Köhler! gesehn,
Daß nur ja keine Löschkohlen entstehn!
Klingend und schwer und stahlblau allein
Müssen die Kohlen des Meilers stets seyn."

Welche Hinweise für unsere Gegenwart und Zukunft können wir aus den wenigen Zeilen herausdestillieren?
Ich will nur zwei Akzente herausgreifen:

Herzlich, freundlich, gastlich, Brot und Lager teilen - wäre es völlig abwegig, diese Attribute auf unseren Umgang miteinander und z.B. auch auf den Umgang mit Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, anzuwenden?

Authentisch, unverstellt, echt - wäre nicht im Konzert der vielen Phrasendrescher und Demagogen, der Schauspieler und Lügenbolde unserer Tage mit dem Lebensmodell „Köhler pur“ eine echte Lücke zu füllen?

In diesem kleinen, unscheinbaren Gedicht stecken in meinen Augen gelebte Maßstäbe unserer Vorfahren, die auch in unseren wirren Zeiten nicht nur uns, sondern auch den ganz vielen Anderen echte Orientierung geben können. In diesen Spuren sollten wir uns bewegen und sie immer weiter und tiefer für unseren Alltag übersetzen - viel zu tun und eine durchaus lohnende Perspektive…
In diesem Sinne
- auf die Gründer von 1997
- auf ein offenes und friedliches Europa
- auf eine gute Zukunft für den Europäischen Köhlerverband
Allzeit GUT BRAND

Karl Josef Tielke, Präsident des Europäischen Köhlerverbandes e.V.
(Programmatischer Teil meiner Begrüssungsansprache beim Festabend zum zwanzigjährigen Bestehen des EKV am 30. September 2017 in der Köhlerhütte Fürstenbrunn im Erzgebirge - mit auf dem Foto: Amélie Leflaec, Europäische Köhlerliesel 2017)


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